Informationstechnologie und Demokratie: eine sich vergrößerende Kluft

„Überwachungskapitalismus ist … ein Putsch von oben … die Abschaffung der Volkssouveränität und eine maßgebliche Kraft auf dem gefährlichen Weg hin zur Zerstörung der Demokratie …“ — Shoshana Zuboff, Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus[1], 2019

„Wir werden belogen … man sagt uns, Technologie nimmt uns die Arbeitsplätze weg, reduziert unsere Löhne, vergrößert die Ungleichheit, bedroht unsere Gesundheit, ruiniert die Umwelt, zersetzt unsere Gesellschaft, verdirbt unsere Kinder, beeinträchtigt unsere Menschlichkeit, bedroht unsere Zukunft und steht kurz davor, alles zu ruinieren.“ – Marc Andreessen, “Das Techno-Optimisten-Manifest[2], 2023


Die Angst vor Technologie und Geopolitik ist heute allgegenwärtig. Doch es gibt einen grundlegenderen Konflikt als den zwischen Großmächten um die technische Vorherrschaft. Die Richtung, die die Technologie und die Demokratie jeweils als System eingeschlagen haben, hat sie auf Kollisionskurs gebracht, und der daraus resultierende Kampf hat bereits jetzt auf beiden Seiten Opfer gefordert.

Die dominierenden Technologietrends der letzten Jahrzehnte waren künstliche Intelligenz und Blockchains. Sie haben die zentralisierte „Top-down“-Kontrolle gestärkt sowie die Zersplitterung in polarisierte Gruppen und den Finanzkapitalismus beschleunigt. Diese Entwicklungen sind schädlich für die Werte des demokratischen Pluralismus. Es überrascht daher nicht, dass Technologie weithin als eine der größten Bedrohungen für die Demokratie gilt. Sie wird als mächtiges Werkzeug sowohl für externe Autokraten als auch für diejenigen angesehen, die Demokratien von innen heraus untergraben wollen.

Gleichzeitig war die Demokratie einst ein radikales Experiment, um die Regierungsprinzipien eines Stadtstaates auf viele Millionen Bürgerinnen und Bürger auf allen Kontinenten auszuweiten. Ein Zitat an der Wand des Denkmals für den Gründervater der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson, in Washington, D.C., lautet: „Gesetze und Institutionen müssen mit dem Fortschritt des menschlichen Geistes Schritt halten … Wir könnten genauso gut von einem Mann verlangen, immer noch den Mantel zu tragen, der ihm als Jungen passte, wie von einer zivilisierten Gesellschaft, für immer unter der Herrschaft ihrer barbarischen Vorfahren zu bleiben.“ Doch heute ist Demokratie in weiten Teilen der Welt zu einem Synonym für zunehmend verzweifelte Bestrebungen geworden, starre, veraltete, polarisierte, gelähmte und zunehmend illegitime Regierungen zu erhalten. Es sollte uns daher nicht schockieren, dass so viele Technologen die demokratische Teilhabe verachten und sie als Hindernis für den Fortschritt ansehen, noch sollten wir uns über die Angst so vieler Befürworter:innen der Demokratie wundern, dass der technische Fortschritt zur Vorherrschaft autoritärer Gegner oder zum inneren Zusammenbruch führen wird.

In diesem Buch hoffen wir zu zeigen, dass dieser tragische Konflikt vermeidbar ist und dass richtig konzipierte Technologie und Demokratie mächtige und natürliche Verbündete sein können. Es ist jedoch kein Zufall, dass Argumente in diese Richtung in vielen Kreisen Augenrollen hervorrufen. In den letzten zehn Jahren hat sich eine Kluft zwischen beiden Seiten entwickelt, die von Misstrauen geprägt ist und sich nicht so leicht überwinden lässt. Die Technologie-Entwickler sehen Demokratie oft als Hindernis für Fortschritt, während Demokratie-Verteidiger Technologie als Bedrohung wahrnehmen. Nur wenn wir die Ängste und Hoffnungen beider Seiten verstehen – die Innovationskraft der Technologen und die Schutzfunktion demokratischer Institutionen – können wir Wege finden, Technologie und Demokratie gemeinsam zu gestalten. Daher beginnen wir damit, diese Missstände mit einer aufgeschlossenen Grundhaltung darzulegen und die Kritik ernst zu nehmen, auch wenn sie durch die verfügbaren Beweise nur teilweise gestützt wird. Der Versuch, diese extremen Divergenzen in Einklang zu bringen, bietet die Chance, die Ambitionen der demokratischen Technologie zu steigern.

Angriff der Technologie auf die Demokratie

Die Informationstechnologie des letzten Jahrzehnts hat die Demokratie auf zwei miteinander verbundene und gleichzeitig gegensätzliche Arten bedroht. Wie Daron Acemoglu und James A. Robinson bekanntlich argumentieren, befinden sich freie demokratische Gesellschaften in einem „engen Korridor[3]“ zwischen sozialem Zusammenbruch und Autoritarismus. Von beiden Seiten her scheinen die Informationstechnologien den Korridor zu verengen und die Möglichkeit einer freien Gesellschaft zu beschneiden.

Auf der einen Seite scheinen Technologien (z. B. soziale Medien, Kryptographie und einige andere Finanztechnologien) das soziale Gefüge aufzubrechen, die Polarisierung zu verstärken, Normen zu untergraben, die Strafverfolgung zu schwächen und die Geschwindigkeit und Reichweite der Finanzmärkte bis zu dem Punkt zu beschleunigen und auszudehnen, an dem sie den demokratischen Gemeinwesen nicht mehr rechenschaftspflichtig sind. Wir nennen diese Bedrohungen „antisozial“. Auf der anderen Seite erhöhen Technologien (z. B. maschinelles Lernen, Foundation Models (dt. Grundlagenmodelle oder Basis-KI-Modelle), das Internet der Dinge) die Fähigkeit zur zentralisierten Überwachung, die Fähigkeit kleiner Gruppen von Ingenieuren, Muster in Systemen festzulegen, die die Regeln des gesellschaftlichen Lebens für Milliarden von Bürgerinnen und Bürgern und Kundinnen und Kunden bestimmen und die Möglichkeiten der Menschen einschränken, ihr Leben und ihre Gemeinschaften sinnvoll mitzugestalten. Wir nennen diese Bedrohung „Zentralisierung“. Beide Bedrohungen treffen den Kern der Demokratie. Alexis de Tocqueville hat dies in seinem berühmten Werk „Demokratie in Amerika“ aufgezeigt: Die Demokratie, ist auf tiefergehende und vielfältige soziale Verbindungen abseits des Marktes angewiesen, um zu gedeihen[4].

Die antisoziale Bedrohung durch neue Technologien hat soziale, wirtschaftliche, rechtliche, politische und existenzielle Aspekte:

  • Auf sozialer Ebene gibt es immer mehr Belege dafür, dass die sozialen Medien denjenigen, die bisher sozial isoliert waren (z. B. sexuelle oder religiöse Minderheiten in konservativen Gegenden), zwar leistungsfähige neue Plattformen zum Knüpfen von persönlichen Verbindungen geboten haben, dass diese Instrumente aber im Durchschnitt dazu beigetragen haben, die soziale Isolation und das Gefühl der Ausgrenzung zu verstärken[5].

  • In wirtschaftlicher Hinsicht hat die geografische, zeitliche und arbeitgeberübergreifende Flexibilität, die durch das Internet und zunehmend auch durch Telearbeit ermöglicht wird, vielen Arbeitnehmer:innen in Entwicklungsländern oder solchen, die schlecht in den traditionellen Arbeitsmarkt passen, neue Möglichkeiten eröffnet. Dennoch ist es bisher nicht gelungen, geeignete Arbeitsmarktinstitutionen (wie Gewerkschaften und arbeitsrechtliche Vorschriften) zu schaffen, die es den Arbeitnehmer:innen ermöglichen, an den potenziellen Vorteilen dieser Vereinbarungen teilzuhaben. Dies führt zu mehr Unsicherheit im Arbeitsmarkt und trägt zur “Aushöhlung” der Mittelschicht in vielen Industrieländern bei[6].

  • Die politische Polarisierung und der Einfluss extremistischer Parteien haben in vielen entwickelten Demokratien stetig zugenommen. Auch wenn die Rolle der internetbasierten sozialen Medienlandschaft Gegenstand zahlreicher akademischer Debatten ist, deuten jüngste Erhebungen darauf hin, dass diese Instrumente ihr Versprechen, soziale und politische Bindungen über unterschiedliche Meinungen hinweg zu stärken, bei weitem nicht eingelöst haben und möglicherweise zum kontinuierlichen Anstieg der Polarisierung seit dem Jahr 2000 beigetragen haben, insbesondere in den Vereinigten Staaten[7].

  • Aus rechtlicher Sicht hat die Verbreitung von Finanzinnovationen in den letzten Jahrzehnten nur zu begrenzten messbaren Vorteilen für die Verbraucher:innen geführt (in Bezug auf Risikominderung, Kapitalallokation oder Kreditzugang), während gleichzeitig das Risiko in einem Großteil des Finanzsystems gestiegen ist und die Zahl der Finanzinstrumente ausufernd zugenommen hat. Dadurch werden bestehende Regulierungsvorschriften, die diese Schäden abmildern sollen, in Frage gestellt oder sogar umgangen[8]. Während die Innovationen im Bereich der Immobilienfinanzierung im Vorfeld der Finanzkrise 2008 zu den einschneidendsten Beispielen gehörten, sind die jüngsten Aktivitäten im Bereich der digitalen Kryptowährungen vielleicht der extremste (wenn auch begrenztere) Fall. Da sie nicht zu den bestehenden Regulierungssystemen passen, bieten sie weitreichende Möglichkeiten für Spekulation, Glücksspiel, Betrug, Steuerhinterziehung und andere antisoziale Aktivitäten[9].

  • Es gibt immer mehr Befürchtungen, dass die Fragmentierung der gesellschaftlichen Meinungsbildung und die abnehmende kollektive Handlungsfähigkeit angesichts wachsender existenzieller Bedrohungen gefährlich ist. Diese reichen von der Umweltzerstörung (z. B. Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt, Versauerung der Ozeane) bis hin zu direkten Waffen (z. B. fehlgeleitete künstliche Intelligenz, Biowaffen)[10].

Doch während die Technologie den Zusammenhalt demokratischer Gesellschaften untergräbt, wird sie auch zunehmend von Regierungen genutzt, um ihre Kontrollmöglichkeiten zu stärken. Gleichzeitig konzentriert sich die Macht in den Händen einer kleinen Gruppe privater Akteure.

  • Auf gesellschaftlicher Ebene ist die vielleicht wichtigste Auswirkung der Informationstechnologie die zunehmende Verfügbarkeit und die beschleunigte Verbreitung von Informationen. Dies hat zwar mehr und mehr Informationen öffentlich zugänglich gemacht, aber auch das Privatleben dramatisch ausgehöhlt. Während diese Transparenz durchaus positive Effekte haben könnte, konzentriert sich die Macht zur Datenverarbeitung zunehmend bei wenigen Unternehmen. Diese haben privilegierten Zugang zu Informationen und das nötige Kapital, um in aufwendige KI-Modelle zu investieren, die diese Daten erst nutzbar machen. Da diese Modelle mit dem Zugang zu mehr Daten und Kapital immer besser werden, haben Gesellschaften, in denen zentrale Akteure Zugang zu einem sehr großen Pool an Daten und Kapital haben, im „KI-Wettlauf“ die Nase vorn und üben Druck auf alle Gesellschaften aus, die eine solche Konzentration von Informationsmacht zulassen, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen[11]. Zusammen haben diese Kräfte beispiellose Überwachungssysteme und die zentrale Kontrolle über den Informationsfluss zur Normalität gemacht.

  • In rechtlicher Hinsicht haben die Geschwindigkeit und die transformative Kraft der jüngsten Fortschritte in der KI die Rechtssysteme vieler demokratischer Gesellschaften überfordert und wichtige Entscheidungen in die Hände kleiner Gruppen von Ingenieuren mit ähnlichem sozialem Hintergrund gelegt. Das Recht auf geistiges Eigentum und andere Schutzmechanismen für kreative Tätigkeiten wurden durch die Fähigkeit großer KI-Modelle, Inhalte zu „remixen und zu ersetzen“, weitgehend unterlaufen; Datenschutzregelungen konnten mit der explosionsartigen Verbreitung von Informationen nicht Schritt halten; das Diskriminierungsrecht ist völlig ungeeignet, um die Probleme zu lösen, die durch die potenziellen Vorurteile von undurchsichtige KI-Systemen entstehen. Die Ingenieure, die sich mit diesen Problemen befassen können, arbeiten in der Regel für gewinnorientierte Unternehmen oder den Verteidigungssektor und haben überwiegend einen ähnlichen Bildungs- und demografischen Hintergrund (in der Regel weiß oder asiatisch, männlich, atheistisch, hochgebildet usw.). Dies stellt die Grundprinzipien demokratischer Rechtssysteme in Frage, die darauf abzielen, den Willen der gesamten Gesellschaft, die sie regieren, zu vertreten[12].

  • In der Wirtschaft mehren sich die Anzeichen dafür, dass KI und die damit zusammenhängende allgemeine Tendenz der Informationstechnologie seit Mitte der 1980er Jahre die menschliche Arbeit (vor allem gering qualifizierte Arbeit) ersetzt statt ergänzt. Dieser zentrale Faktor ermöglichte den dramatischen Anstieg des Einkommensanteils des Kapitals (statt der Arbeit) in den letzten Jahrzehnten und ist damit eine Hauptursache für die zunehmende Einkommensungleichheit in den Industrieländern[13]. Parallel dazu stiegen weltweit die Marktmacht, die Gewinnspannen und teilweise auch die industrielle Konzentration. Dies war besonders ausgeprägt in Ländern und Sektoren, welche die Informationstechnologie intensiv eingesetzt haben[14].

  • (Geo-)Politisch stärken diese Entwicklungen autoritäre Regime weltweit und autoritäre Bewegungen in demokratischen Ländern. Massenüberwachung, KI und andere groß angelegte Datenverarbeitungssysteme ermöglichen den Regierungen, unmittelbar wirksamere Zensur und mehr soziale Kontrolle auszuüben. Indirekt profitieren autoritäre Regime von der Konzentration wirtschaftlicher Macht: Nur wenige Schaltstellen (oft innerhalb von Konzernen) kontrollieren nun viele gesellschaftliche Hebel. Zusammen mit steigenden Kapitalerträgen, wachsender Marktmacht und dem Einfluss kleiner Ingenieurseliten lassen sich so die Zentralen der Entscheider in Wirtschaft und Gesellschaft leichter manipulieren oder übernehmen[15].

Darüber hinaus überschneiden sich diese beiden Bedrohungen: Autoritäre Regime haben sich zunehmend das „Chaos“ der sozialen Medien und Kryptowährungen zunutze gemacht, um interne Spaltungen und Konflikte in demokratischen Ländern zu säen. Zentralisierte Social-Media-Plattformen haben KI eingesetzt, um die Nutzung ihrer Dienste zu optimieren, und damit oft die zentrifugalen Tendenzen der Fehlinformation und Meinungsbildung gefördert. Doch auch wenn sie sich nicht aktiv ergänzen und in vielerlei Hinsicht entgegengesetzte Philosophien verfolgen, haben beide Kräfte Druck auf die demokratischen Gesellschaften ausgeübt und dazu beigetragen, das Vertrauen in sie zu untergraben – ein Vertrauen, das in weiten Teilen der entwickelten demokratischen Welt auf dem niedrigsten Stand seit seiner Erhebung ist.[16]

Technologiefeindlichkeit von Demokratien

Doch auch die andere Seite reagiert ablehnend. Auch demokratische Länder sind zunehmend misstrauisch geworden und sehen in der Technologie eher eine pauschale Bedrohung als die Chance, die sie einmal in ihr sahen. Während der öffentliche Sektor in demokratischen Ländern einst die globale treibende Kraft hinter der Entwicklung der Informationstechnologie war (z. B. die ersten Computer, das Internet, Satelliten zur globalen Positionsbestimmung), konzentrieren sich die meisten demokratischen Regierungen heute stattdessen darauf, die Entwicklung der Technologie einzuschränken, und versäumen es, sowohl auf die Chancen als auch auf die Herausforderungen zu reagieren, die sie mit sich bringt.

Dieses Versagen hat sich auf vier Arten manifestiert. Erstens stehen die öffentliche Meinung in demokratischen Ländern und ihre politischen Entscheidungsträger großen Technologieunternehmen und sogar vielen Technologen zunehmend feindselig gegenüber, ein Trend, der gemeinhin als „Techlash“ bezeichnet wird. Zweitens haben die demokratischen Länder ihre Direktinvestitionen in die Entwicklung der Informationstechnologie erheblich reduziert. Drittens haben demokratische Länder nur zögerlich Technologien für Anwendungen im öffentlichen Sektor oder solche, die eine erhebliche Beteiligung des öffentlichen Sektors erfordern, übernommen. Und schließlich haben es demokratische Regierungen weitgehend versäumt, sich mit den Bereichen zu befassen, in denen aus Sicht vieler Technologen öffentliche Beteiligung, Regulierung und Unterstützung für einen nachhaltigen technologischen Fortschritt entscheidend sind. Sie haben sich stattdessen auf eher historisch begründete soziale und politische Probleme konzentriert[17].

Figure showing take off in discussion of the "techlash" following 2017 in English books.

Abbildung 2-0-A. Der Aufstieg des Techlash. Quelle: Google nGram Viewer[18]



Die Einstellung der Öffentlichkeit und der politischen Entscheidungsträger:innen gegenüber der Technologie hat in den 2010er Jahren eine deutlich negative Wendung genommen. Während Ende der 2000er und Anfang der 2010er Jahre soziale Medien und das Internet als Kräfte der Offenheit und Partizipation angesehen wurden, wurden sie in den späten 2010er Jahren in Kommentaren und in geringerem Maße in öffentlichen Meinungsumfragen für viele der oben genannten Missstände verantwortlich gemacht[19]. Dieser Einstellungswandel hat sich vielleicht am deutlichsten in der Haltung der Elite niedergeschlagen: Bestseller über Technologie wie Weapons of Math Destruction von Cathy O’Neil und The Age of Surveillance Capitalism von Shoshana Zuboff sowie Filme wie „The Social Dilemma“, beherrschen die öffentliche Diskussion, und führende Politiker:innen des gesamten Spektrums (z. B. Jeremy Corbyn auf der Linken und Josh Hawley auf der Rechten) schlagen einen zunehmend pessimistischen und aggressiven Ton gegenüber der Technologiebranche an. Dies wurde durch eine „Cancel Culture“ verschärft, die mittels sozialer Medien gezielt prominente Persönlichkeiten, vor allem aus der Technologiebranche, angreift und deren öffentliche Reputation zu schädigen versucht.

Die Gesetzgeber in Europa und den Vereinigten Staaten haben darauf mit verschiedenen Maßnahmen reagiert: drastisch verschärfte kartellrechtliche Prüfung führender Technologieunternehmen und eine Reihe europäischer Regulierungsmaßnahmen – von der Datenschutzgrundverordnung bis hin zum Data Governance Act, Digital Markets Act und Digital Services Act. Alle diese Maßnahmen haben klare politische Gründe und könnten durchaus Teil einer positiven Technologieagenda sein. Die Kombination aus negativem Ton, relativer Abkopplung von verwandten Technologieentwicklungen und allgemeiner Zurückhaltung bei der Formulierung einer positiven Technologievision hat jedoch den Eindruck einer belagerten Branche entstehen lassen.

Das vielleicht deutlichste quantitative Zeichen für dieses abnehmende proaktive öffentliche Interesse an der Informationstechnologie sind die sinkenden öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), insbesondere in der Informationstechnologie. In der großen Mehrheit der entwickelten Demokratien sind die Ausgaben des öffentlichen Sektors für Forschung und Entwicklung im Verhältnis zum BIP in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, obwohl die Ausgaben der Unternehmen für F&E dramatisch gestiegen sind und die Regierung Chinas ihre Ausgaben im Verhältnis zum BIP drastisch erhöht hat und sich auf die Informationstechnologie konzentriert hat[20].

Chart showing the declining trend of federal government funding for research and development while business investment rises

Abbildung 2-0-B. Der zeitliche Rückgang der staatlichen Finanzierung von Forschung und Entwicklung und ihre Verdrängung durch den Privatsektor. Quelle: National Center for Science and Engineering Statistics (US-amerikanische Bundesbehörde für Wissenschafts- und Technologiestatistiken)[21]



Abgesehen von dieser quantitativen Entwicklung war der qualitative Rückgang der öffentlichen Unterstützung mindestens ebenso dramatisch. Während der öffentliche Sektor einst bei der Entwicklung des Internets (in den Vereinigten Staaten), der Grundlagen des Personal Computers und ähnlicher Projekte in anderen demokratischen Ländern (z. B. Frankreichs Minitel) die Führung übernahm, werden heute fast alle wichtigen IT-Durchbrüche vom privaten Sektor vorangetrieben.[22]

Während das ursprüngliche Internet fast vollständig vom öffentlichen und akademischen Sektor entwickelt wurde und auf offenen Standards basierte (siehe Kapitel “Der verlorene Dao” unten) haben das Web 2.0 und die jüngsten Bewegungen rund um das „Web 3“ und dezentralisierte soziale Technologien praktisch keine öffentliche Unterstützung erhalten. Demokratische Staaten nähern sich zwar Innovationen wie digitalen Währungen, Zahlungssystemen und Identifikationsmechanismen, aber nur sehr zögerlich.

Während viele der grundlegendsten Fortschritte in der Informatik während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges von demokratischen Regierungen ausgingen, haben Regierungen heute praktisch keine Rolle bei den Durchbrüchen in den Basis KI-Modellen gespielt, die die Informatik revolutionieren. Die Gründer von OpenAI, Sam Altman und Elon Musk, berichten, dass sie sich zunächst um öffentliche Gelder bemühten und sich erst nach wiederholten Ablehnungen privaten, gewinnorientierten Quellen zuwandten. OpenAI entwickelte daraufhin die Generative Pretrained Transformer (GPT)-Modelle, die zunehmend die Vorstellungen der Öffentlichkeit über das Potenzial der KI prägen.[23] Auch dies steht in scharfem Kontrast zu China, das ehrgeizige Strategien für die öffentliche Informationstechnologie entwickelt und größtenteils erfolgreich umgesetzt hat.[24]

Das mangelnde Engagement des öffentlichen Sektors im Technologiebereich erstreckt sich nicht nur auf Forschung und Entwicklung, sondern auch auf die Einführung, Übernahme und Förderung. Am einfachsten lässt sich dies an der Qualität und Verfügbarkeit digitaler Konnektivität und Bildung messen. Hier sind die Daten unterschiedlich, da viele gut funktionierende Demokratien (wie die skandinavischen Länder) über eine hohe Qualität und Verfügbarkeit des Internets verfügen. Auffallend ist jedoch, dass die führenden autoritären Regime die Demokratien auf ähnlichem Entwicklungsniveau dramatisch übertreffen, insbesondere bei der neuesten Konnektivitätstechnologie. Laut Speedtest.net rangiert die Volksrepublik China beispielsweise bei den Internetgeschwindigkeiten weltweit auf Platz 16, beim Pro-Kopf-Einkommen jedoch nur auf Platz 72; Saudi-Arabien und andere Golfmonarchien spielen ebenfalls weit über ihrer Einkommensklasse mit[25]. Die Leistung bei 5G, der neuesten Generation mobiler Konnektivität, ist noch dramatischer: Eine Reihe von Erhebungen zeigt, dass Saudi-Arabien und die VR China durchweg unter den Top 10 der Länder mit der besten 5G-Abdeckung liegen, weit über ihrem Einkommensniveau.

Zentraler für die Regierungsverantwortung in Demokratien ist jedoch die Digitalisierung des öffentlichen Dienstes. Viele entwickelte Demokratien investieren im Vergleich zu autoritären Staaten weniger in E-Government. Der UN-Index für die Entwicklung von E-Government (EGDI) setzt sich aus drei wichtigen Dimensionen des E-Government zusammen: Bereitstellung von Online-Diensten, Netzanbindung und Personal. Im Jahr 2022 rangieren mehrere autoritäre Regierungen auf den vorderen Plätzen, darunter die VAE auf Platz 13, Kasachstan auf Platz 28 und Saudi-Arabien auf Platz 31, vor vielen demokratischen Ländern, darunter Kanada auf Platz 32, Italien auf Platz 37, Brasilien auf Platz 49 und Mexiko auf Platz 62.[26]

Die Digitalisierung herkömmlicher öffentlicher Dienstleistungen ist vielleicht die am wenigsten ehrgeizige Dimension, bei der man erwarten könnte, dass die Demokratien bei der Einführung von Technologie vorankommen. Die Technologie hat neu definiert, welche Dienstleistungen relevant sind, und in diesen neuen Bereichen haben die demokratischen Regierungen fast vollständig versagt, mit dem Wandel der Zeit Schritt zu halten. Wo einst staatliche Postdienste und öffentliche Bibliotheken das Rückgrat der demokratischen Kommunikation und Wissensverbreitung bildeten, läuft heute die meiste Kommunikation über soziale Medien und Suchmaschinen. Wo früher die meisten öffentlichen Versammlungen in Parks und auf öffentlichen Plätzen stattfanden, ist es heute fast schon ein Klischee, dass sich der öffentliche Raum ins Internet verlagert hat. Trotzdem haben demokratische Länder die Notwendigkeit, digitale öffentliche Dienste bereitzustellen und zu unterstützen, fast vollständig ignoriert. Während der private Kurznachrichtendienst Twitter Ziel ständiger Kritik durch Personen des öffentlichen Lebens ist, haben sein wichtigster Konkurrent, das gemeinnützige Mastodon- und der offene ActivityPub-Standard, auf dem es läuft, nur wenige zehntausend Dollar an öffentlicher Unterstützung erhalten und leben stattdessen von Patreon-Spenden[27]. Ganz allgemein sind Open-Source-Software und andere gemeinwohlorientierte öffentliche Güter wie Wikipedia im digitalen Zeitalter zu wichtigen öffentlichen Ressourcen geworden. Dennoch haben Regierungen es immer wieder versäumt, sie zu unterstützen, und sie sogar gegenüber anderen Wohltätigkeitsorganisationen benachteiligt. Zum Beispiel können Anbieter von Open-Source-Software im Allgemeinen keine steuerbefreiten Wohltätigkeitsorganisationen sein. Während autoritäre Regime mit Plänen für digitale Zentralbankwährungen vorpreschen, stehen die meisten demokratischen Länder erst am Anfang ihrer Überlegungen.

Am ehrgeizigsten wäre es, wenn Demokratien, wie so viele Autokratien, radikale Experimente fördern würden, die erproben, wie Technologien soziale Strukturen umgestalten können. Doch auch hier scheint die Demokratie solchen Experimenten oft eher im Wege zu stehen als sie zu erleichtern. Die Regierung Chinas hat Städte wie Shenzhen gebaut und Vorschriften neu konzipiert, um fahrerlose Autos zu ermöglichen, und hat darüber hinaus eine detaillierte nationale Technologiestrategie entwickelt, die nahezu jeden Aspekt von Politik, Regulierung und Investitionen abdeckt.[28] Saudi-Arabien baut eine neue intelligente Stadt in der Wüste, Neom, um eine Reihe von umweltfreundlichen und intelligenten Stadttechnologien zu demonstrieren, während selbst die bescheidensten lokalen Projekte in demokratischen Ländern, wie zum Beispiel Googles Sidewalk Labs, von der lokalen Opposition zum Scheitern gebracht wurden.[29]

Doch während mutige Experimente mit neuen Visionen für den öffentlichen Sektor eher in Autokratien verbreitet sind, gibt es ein für die Demokratie selbst viel grundlegenderes Element, bei dem sie am weitesten hinter die Zeit zurückgefallen ist: Die Mechanismen der öffentlichen Meinungsbildung – Beteiligung und Legitimation, einschließlich Abstimmungen, Petitionen, Einholung von Bürgerfeedback usw. – gehört eher der Vergangenheit an als jeder andere Aspekt demokratischer Gesellschaften. In fast allen Demokratien wird alle paar Jahre über wichtige Ämter abgestimmt, und zwar nach Regeln und Technologien, die seit einem Jahrhundert weitgehend unverändert geblieben sind. Während Bürger:innen heute in Echtzeit weltweit kommunizieren können, werden sie politisch noch immer durch starre geografische Wahlkreise repräsentiert – ein System, das aufwendig zu verwalten ist und die tatsächlichen Interessen der Menschen nur ungenau abbildet. Nur wenige moderne Kommunikations- oder Datenanalyseinstrumente sind gegenwärtig fester Bestandteil des demokratischen Lebens der Bürger:innen.

Gleichzeitig haben sich Autokratien die neuesten digitalen Innovationen in zunehmendem Maße zunutze gemacht, um ihre Regimes der Überwachung (im Guten wie im Schlechten) und der sozialen Kontrolle zu stärken. So hat China in großem Umfang Gesichtserkennung eingesetzt, um die Bewegungen der Bevölkerung zu überwachen, und die Einführung des digitalen Yuan und anderer überwachter digitaler Zahlungsmittel gefördert, um die finanzielle Überwachung zu erleichtern. Zudem arbeitet China an der Entwicklung eines umfassenden „Social Credit Score“, der ein breites Spektrum von Bürger:innen-Aktivitäten erfassen und zu einem einzigen und weitreichenden „Rating“ beitragen soll.[30] Seit einigen Jahren setzt die russische Regierung Gesichtserkennung ein, um festzustellen, wer an Protesten teilnimmt, und um diese Personen im Nachhinein zu verhaften. Dies ermöglicht ihr, Andersdenkende in großem Umfang und mit viel geringerem Risiko für das Regime oder seine Polizeikräfte zu verfolgen[31]. Diese Techniken haben sich verschärft und werden seit der umfassenden Invasion in der Ukraine im Februar 2022 auch zur Durchsetzung der Wehrpflicht eingesetzt[32]. Es sieht so aus, als würde die Demokratie von der Technologie zurückgelassen werden. Zum einen vernachlässigen Demokratien die Technologie im Vergleich zur übereifrigen Bereitschaft vieler autoritärer Staaten, sie für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Zum anderen wirken antidemokratische Tendenzen der Technologie selbst auf sie ein.

Man bekommt, wofür man zahlt

Wie konnte es dazu kommen? Sind diese Konflikte der natürliche Lauf der Technologie und der demokratischen Gesellschaften? Ist eine andere Zukunft möglich?

Eine Fülle von Beiträgen deutet darauf hin, dass sich Technologie und Demokratie auf vielfältige Weise gemeinsam entwickeln könnten und dass der Weg, auf dem wir uns befinden, das Ergebnis kollektiver Entscheidungen ist, die wir durch Politik, Einstellungen, Erwartungen und Kultur getroffen haben. Die Bandbreite der Möglichkeiten kann durch verschiedene Perspektiven betrachtet werden, von Science-Fiction bis hin zu Beispielen aus der realen Welt.

Science-Fiction zeigt die erstaunliche Bandbreite an Zukunftsvorstellungen, die der menschliche Geist zu entwickeln vermag. In vielen Fällen sind diese Vorstellungen die Grundlage für viele der Technologien, die Forschende und Unternehmer:innen schließlich entwickeln. Einige davon entsprechen den Richtungen, die die Technologie in letzter Zeit eingeschlagen hat. In seinem Klassiker „Snow Crash“ von 1992 stellt sich Neal Stephenson eine Zukunft vor, in der sich die meisten Menschen zurückgezogen haben, um einen Großteil ihres Lebens in einem immersiven „Metaverse“ zu verbringen[33]. Dabei untergraben sie das Engagement, das für die Unterstützung von Gemeinschaften, Regierungen und Ähnlichem in der realen Welt erforderlich ist, und schaffen so Raum für die Herrschaft mafiöser Organisationen und von Sektenführer:innen sowie die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Diese Zukunft entspricht in etwa den Elementen der „antisozialen“ Bedrohungen der Demokratie durch die Technologie, die wir oben erörtert haben. Andere Schriften von Stephenson erweitern diese Möglichkeiten, die sich tiefgreifend auf die Entwicklung der Technologie ausgewirkt haben; Meta Platforms ist beispielsweise nach Stephensons Metaverse benannt.

Ähnliche Beispiele gibt es für die Tendenz der Technik zur Machtkonzentration durch die Schaffung von „Superintelligenzen“. Führende Beispiele sind die Romane von Isaac Asimov und Iain M. Banks, der vorausschauende Futurismus von Ray Kurzweil und Nicholas Bostrom, und Filme wie Terminator und Her.[34]

Diese Möglichkeiten unterscheiden sich jedoch stark voneinander und sind bei weitem nicht die einzigen Visionen der technologischen Zukunft, die in der Science-Fiction Welt zu finden sind. Tatsächlich zeigen einige der bekanntesten Science-Fiction-Filme ganz andere Möglichkeiten. Zwei der populärsten Science-Fiction-Fernsehserien aller Zeiten, „Die Jetsons“ und „Star Trek“, zeigen eine Zukunft, in der die Technologie die Kultur und die Institutionen des Amerikas der 1950er Jahre weitgehend verstärkt hat, beziehungsweise eine Zukunft, in der sie eine postkapitalistische Welt mit verschiedenen sich kreuzenden außerirdischen Intelligenzen ermöglicht hat. Dies sind nur zwei von Tausenden von Beispielen, von der post-geschlechtlichen und post-staatlichen Fantasie von Ursula K. Le Guin bis zum postkolonialen Futurismus von Octavia Butler. Sie alle zeigen eine schwindelerregende Bandbreite von Möglichkeiten auf, wie sich Technologie und Gesellschaft gemeinsam entwickeln können[35].

Doch die Science-Fiction-Autor:innen sind nicht allein. Das Hauptthema der Wissenschafts- und Technologiestudien (Science and Technology Studies, STS), einschließlich der Philosophie, Soziologie und Geschichte der Wissenschaft, ist die Kontingenz und die Möglichkeiten, die der Entwicklung von Wissenschaft und Technologie innewohnen, und das Fehlen einer vorbestimmten Richtung für ihre Entwicklung[36]. Diese Schlussfolgerungen werden zunehmend auch in den Sozialwissenschaften wie der Politik- und Wirtschaftswissenschaft akzeptiert, die den technischen Fortschritt traditionell als feststehend und gegeben betrachten. Zwei der weltweit führenden Wirtschaftswissenschaftler, Daron Acemoglu und Simon Johnson, haben kürzlich ein Buch veröffentlicht, in dem sie argumentieren, dass die Richtung des technologischen Fortschritts ein wichtiges Ziel für Sozialpolitik und -reformen ist. Sie dokumentieren dabei die historischen Zufälligkeiten, die zu den technologischen Richtungen geführt haben, die wir in der Vergangenheit erlebt haben[37].

Die vielleicht eindrücklichste Veranschaulichung ergibt sich aus einem Vergleich der Art und Weise, wie sich die Technologie in den einzelnen Ländern entwickelt hat. Wo einst führende Denker:innen voraussagten, die Technologie würde soziale Unterschiede wegfegen, zeigt sich heute das Gegenteil: Die technologischen Systeme verschiedener Länder widerspiegeln und verstärken ihre jeweiligen sozialen Systeme und Ideologien. Das Überwachungsregime Chinas sieht wie eine technologische Zukunft aus, während die russischen Hacking-Netzwerke eine andere zu sein scheinen, der wachsende Raum der Web3-gesteuerten Gemeinschaften eine dritte, die westlichen kapitalistischen Mainstream-Länder, auf die wir uns konzentriert haben, eine vierte und die heterogenen digitalen Demokratien Indiens, Estlands und Taiwans etwas ganz anderes, was wir weiter unten eingehend untersuchen werden. Anstatt sich anzunähern, driften die technologischen Entwicklungen auseinander.

Wenn also die derzeitige Entwicklung der Technologie und des gesellschaftlichen Verhältnisses zu ihr in den westlichen liberalen Demokratien nicht unvermeidlich ist, auf welche Weise haben wir uns dann für diesen konfliktreichen Weg entschieden? Und wie könnten wir ihn verlassen?

Es gibt zwar viele Möglichkeiten, Entscheidungen zu beschreiben, die demokratische Gesellschaften in Bezug auf Technologie getroffen haben, aber die konkretesten und am einfachsten zu quantifizierenden sind vielleicht die getätigten Investitionen. Diese zeigen, dass die westlichen liberalen Demokratien (und damit der größte Teil des Finanzkapitals der Welt) klare Entscheidungen über technologische Pfade getroffen haben, was Investitionen in die Zukunft der Technologie angeht. Viele dieser Investitionen wurden erst kürzlich getätigt. Obwohl diese Investitionen in letzter Zeit vor allem vom Privatsektor vorangetrieben wurden, spiegeln sie frühere, von den Regierungen gesetzte Prioritäten wider, die in vielerlei Hinsicht gerade erst beginnen, sich auf Anwendungen des Privatsektors auszuwirken.

Ausgehend von den jüngsten Trends in der zunehmend gut erforschten Risikokapitalbranche, hat sich in den letzten zehn Jahren eine dramatische und überwältigende Konzentration von Risikokapital innerhalb des Hochtechnologiesektors auf künstliche Intelligenz und Kryptowährungs- beziehungsweise „Web3“-Technologien ergeben. Abbildung V zeigt Daten zu privaten Investitionen in künstliche Intelligenz, die von NetBase Quid gesammelt und vom Stanford Center for Human-Centered Artificial Intelligence im 2022 AI Index Report dargestellt wurden. Sie zeigen das explosive Wachstum im Laufe der 2010er Jahre, ein Wachstum, das mittlerweile die privaten Technologieinvestitionen dominiert. Abbildung W zeigt das Gleiche (über einen anderen Zeitraum und vierteljährlich) für den Web3-Bereich basierend auf Daten von Pitchbook, dargestellt von Galaxy Digital Research.

Figure showing the steady rise of AI venture capital investing even when there has been a recent decline in technology venture capital investing.

Abbildung 2-0-C. Private Investitionen in KI in den letzten sieben Jahren. Quelle: NetBase Quid via 2023 AI Index Report[38]



Shows the somewhat uneven but clear rise of funding and deal count in the crypto space by venture capitalists 2016-2021

Abbildung 2-0-D. Zeitlicher Trend bei Krypto-VC-Deals und Investitionen. Quelle: National Venture Capital Association und Pitchbook[39]



Diese Prioritäten sind zwar relativ neu und scheinen sich aus der Logik des „Marktes“ zu ergeben, sie spiegeln jedoch eine viel länger dauernde und bewusst von der Gesellschaft getroffene Reihe von Entscheidungen wider. Sie ergeben sich aus den Investitionen, die Regierungen in demokratischen Ländern getätigt haben[40].

Shows the relative frequency in English books of "artificial intelligence" from 1950-2019 showing a surge in the late 1980s followed by a retreat and then a much greater surge beginning in the mid-2010s.

Abbildung 2-0-E. Die relative Häufigkeit von „artificial intelligence“ in englischen Büchern 1950-2019. Quelle: Google Ngrams[^Ngrams]



Bei diesen Investitionen handelt es sich nicht nur um Entscheidungen, die auch anders hätten getroffen werden können; sie sind noch nicht lange her und wurden zuvor ganz anders getroffen. Diese Investitionen spiegeln sich in den prägenden Technologien der letzten Jahrzehnte wider. Künstliche Intelligenz wurde während eines Großteils der 1980er Jahre als kommende Revolution verkündet, wie die Abbildung von Google Ngram Viewer zeigt, die die relative Häufigkeit dieses Begriffs in englischen Büchern darstellt. Die 1980er Jahre waren jedoch von einer ganz anderen Technologie geprägt: dem Personal Computer, der nun neu den Computer zu einer Ergänzung der individuellen menschlichen Kreativität machte. Die 1990er Jahre waren von Stephensons Science-Fiction-Fantasien über die Möglichkeiten eskapistischer virtueller Welten und atomisierender Kryptografie geprägt, während das Bindegewebe des Internets die Welt eroberte und ein nie dagewesenes Zeitalter der Kommunikation und Kooperation einläutete. Die Mobiltelefonie in den 2000er Jahren, die sozialen Netzwerke in den 2010er Jahren und der Ausbau der Homeoffice-Möglichkeiten in den 2020er Jahren – all dies konzentrierte sich weder auf kryptografischen Hyperkapitalismus noch auf künstliche Superintelligenz.

Dies spiegelt – mit großer Verzögerung – die Verlagerung der Investitionen öffentlicher Forschungsförderer wider. Die Daten sind zwar unvollkommen, aber W. Mitchell Waldrop dokumentiert die Verlagerung in seinem Klassiker „The Dream Machine“ deutlich: Als die Advanced Research Projects Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums, die das ARPANET finanzierte, aus dem das Internet hervorging, ihren Namen in Defense ARPA (DARPA) änderte, änderte sie auch ihren Investitionsschwerpunkt. Sie verlagerte ihren Schwerpunkt von belastbaren Kommunikations- und soziotechnischen Systemen hin zu Systemen, die als mehr gezielte Unterstützung militärischer Ziele angesehen wurden, darunter Waffenautonomie und Kryptografie.

Bereits 1979 beklagte der erste ARPA-Programmmanager, der das ARPANET und die ersten Informatikabteilungen der Welt finanzierte, J.C.R. Licklider, die Abkehr der öffentlichen Gelder von Investitionen in die kritische Infrastruktur, die seine Vision einer Netzwerkgesellschaft unterstützte. Dieser Trend beschleunigte sich in den 1980er Jahren weiter, als die Aufmerksamkeit für die nationale Verteidigung abnahm.

Ideologien des einundzwanzigsten Jahrhunderts

Wenn der Weg der Technologie nicht vorherbestimmt ist und stattdessen in erheblichem Maße durch kollektive Investitions-entscheidungen geprägt werden kann, wie sollten wir dann über die Flexibilität nachdenken, die wir als Gesellschaft bei der Wahl zwischen möglichen Richtungen haben? Wie groß ist der Spielraum für Entscheidungen und wie sehen diese aus?

Eine nützliche Analogie, um über die Wahl der Richtungen nachzudenken, die eine Gesellschaft einschlagen könnte, sind Ideologien. Wir alle wissen, dass sich verschiedene Gesellschaften für verschiedene Ideologien (oder Kombinationen davon) entschieden haben oder entscheiden könnten: Kommunismus, Kapitalismus, Demokratie, Faschismus, Theokratie und so weiter. Jede dieser Ideologien hat Stärken und Schwächen, spricht die einen mehr an als die anderen und ist in unterschiedlichem Maße kohärent und verbindlich. Es mag Konfigurationen dieser Ideologien geben, die einfach nicht funktionieren oder bestimmte historische und soziale Bedingungen erfordern.

In ähnlicher Weise können wir auch die verschiedenen Wege der Technologie betrachten. Die Bandbreite der Zukunft ist nicht unbegrenzt oder unendlich formbar: Manche Dinge sind einfacher, schwieriger oder schlichtweg unmöglich. Aber sie ist auch nicht vorbestimmt. Es gibt eine Reihe von plausiblen Zukunftsvisionen und Technologien, die diese ermöglichen; durch unsere kollektiven technologischen Investitionen tragen wir dazu bei, zwischen diesen Möglichkeiten zu wählen.

Diese Sichtweise ist zwar etwas weniger vertraut als die heute übliche Darstellung der Technologie als linearer Fortschritt, aber sie ist alles andere als originell. Sie ist ein wiederkehrendes Thema in Literatur, Wissenschaft und sogar in der Unterhaltung. Ein markantes Beispiel ist die Computerspielreihe Civilization, in der die Spieler:innen den Weg eines Volkes von der Vorgeschichte bis in die Zukunft verfolgen. Ein charakteristisches Merkmal des Spiels ist die Vielfalt der möglichen technologischen Wege und die Art und Weise, wie diese mit den sozialen Systemen, die eine Gesellschaft annehmen kann, interagieren.

Der jüngste Teil der Serie, Civilization VI, und insbesondere das Erweiterungspaket „Gathering Storm“, veranschaulicht unser Argument auf elegante Weise. In diesem Spiel kann man in der “Zukunftsära” zwischen drei Ideologien wählen: “Synthetische Technokratie,” “Konzern-Libertarismus” und “Digitale Demokratie”, mit entsprechenden Stärken, Schwächen und Verbindungen zur technologischen Entwicklung.

Obwohl die Namen für jede dieser Ideologien etwas umständlich sind und wir sie im Folgenden abkürzen werden, werden wir argumentieren, dass sie in groben Zügen, wie Kommunismus, Faschismus und Demokratie im 20. Jahrhundert, die große techno-ideologische Debatte unserer Zeit beschreiben. Wir bezeichnen sie als „Ideologien des einundzwanzigsten Jahrhunderts“.

Künstliche Intelligenz und Technokratie

Die erste und am häufigsten geäußerte Vision der technologischen Zukunft dreht sich um die Künstliche Intelligenz (KI) und die Art und Weise, wie sich soziale Systeme an sie anpassen müssen; sie wird von der Civilization VI-Kategorie „Synthetische Technokratie“ erfasst, aber wir glauben, dass es besser den Ansichten der meisten Befürworter:innen entspricht, sie als „Abundance Technocracy“ (Überfluss-Technokratie) oder AT zu bezeichnen, wie wir es im Folgenden tun.

AT konzentriert sich auf das Potenzial der KI, das zu schaffen, was OpenAI-Gründer Sam Altman als “Moore’s Law for Everything” bezeichnet: eine Transformation, bei der KI alle materiellen Güter billig und im Überfluss verfügbar macht und so die Abschaffung der materiellen Knappheit ermöglicht, zumindest im Prinzip[41]. Doch dieser potenzielle Überfluss ist möglicherweise nicht gleichmäßig verteilt; es ist plausibel, dass sich sein Wert auf eine kleine Gruppe konzentriert, die KI-Systeme kontrolliert und steuert.

Ein Schlüsselelement der sozialen Vision von AT ist daher die materielle Umverteilung, in der Regel durch ein „universelles Grundeinkommen“ (UBI – Universal Basic Income). Ein weiterer zentraler Punkt ist das Risiko, dass KI-Systeme der menschlichen Kontrolle entgleiten und das menschliche Überleben bedrohen, und damit die Notwendigkeit einer starken und oft zentralisierten Kontrolle darüber, wer Zugang zu diesen Technologien hat, sowie die Sicherstellung, dass sie so gebaut sind, dass sie menschliche Wünsche zuverlässig erfüllen.

Auch wenn die genauen Konturen bei den Vertreter:innen dieser Sichtweise unterschiedlich sind, ist die Idee der „allgemeinen künstlichen Intelligenz“ (Artificial General Intelligence, AGI) von zentraler Bedeutung: Maschinen, die die menschlichen Fähigkeiten in gewisser Weise übertreffen und nur einen geringen Raum für individuelles oder kollektives menschliches Denken lassen.

Führende Vertreter:innen dieser Ansicht im Silicon Valley sind Sam Altman und sein Mentor Reid Hoffman sowie bis vor kurzem Altmans OpenAI-Mitbegründer Elon Musk. Diese Sichtweise ist auch in der Volksrepublik China populär, wo sie von Jack Ma, dem Wirtschaftswissenschaftler Yu Yong-Ding und sogar im offiziellen Entwicklungsplan der neuen Generation der Künstlichen Intelligenz der Volksrepublik China vertreten wird, der sich stark auf die marxistische Idee der „zentralen Planung“ stützt. Sie taucht auch in der Science-Fiction auf, insbesondere in den Werken von Autoren wie Isaac Asimov und Iain Banks, und in futuristischen Schriften, vor allem von Ray Kurzweil und Nicholas Bostrom. Bostrom’s Buch, Deep Utopia: Life and Meaning in a Solved World, bringt diese Sichtweise vielleicht am deutlichsten zum Ausdruck.[42] Zu den führenden Organisationen, die sich dieser Perspektive verschrieben haben, gehören OpenAI, DeepMind und andere Projekte für fortgeschrittene Künstliche Intelligenz. Die politischen Kampagnen von Andrew Yang in den Vereinigten Staaten trugen dazu bei, diese Perspektive in den Mainstream der Politik zu bringen, und AT-Ideen tauchen in abgeschwächter Form in vielen Überlegungen der „Tech-Linken“ auf, einschließlich von Kommentatoren wie Ezra Klein, Matthew Yglesias und Noah Smith.

Krypto und Hyper-Kapitalismus

Eine zweite Sichtweise ist in den Mainstream-Medien viel seltener anzutreffen, war aber ein beherrschendes Thema in der Community, die sich um Bitcoin und andere Kryptowährungen gebildet hat, sowie in verschiedenen verwandten Internet-Communities; sie wird von der Kategorie „Konzern Libertarismus“ in Civilization VI erfasst, aber ihre Befürworter:innen fühlen sich tendenziell wohler mit der Bezeichnung „Entrepreneurial Sovereignty“ (ES) – gemeint ist Unternehmerische Souveränität im Sinne von Freisein von staatlicher Regulierung –, die wir daher übernehmen.

ES konzentriert sich auf das Potenzial (oder in manchen Fällen auf die Unvermeidbarkeit) von Kryptografie und Netzwerkprotokollen, die die Rolle menschlicher kollektiver Organisation und Politik verdrängen und Individuen dazu befähigen, an ungehinderten Märkten teilzunehmen, die frei von staatlichem und anderem kollektivem „Zwang“ und Regulierung sind. Literatur war die zentrale Inspiration für das ES-Denken, darunter die Werke von Ayn Rand und Neal Stephenson[43]. Stephensons Bücher, insbesondere „Snow Crash“ (1992) und „Cryptonomicon“ (1999), sind zwar anscheinend und ausdrücklich als dystopische Warnungen gedacht, wurden aber von den Anhänger:innen von ES als Entwürfe übernommen[44]. Beispielhafte Technologien, die in diesen Werken auftauchen und seither für die ES-Gemeinschaft von zentraler Bedeutung sind, umfassen immersive virtuelle Welten, die Stephenson als „Metaverse“ bezeichnete, regierungsunabhängige digitale Währungen, private Hoheitsgebiete, die insbesondere in unregulierten Räumen wie schwimmenden Städten oder „Seestädten“ angesiedelt sind, und starke Kryptografie als Mittel zur Umgehung kollektiver Kontrolle/Gesetze. Die Bitcoin-, Web3-, 4Chan- und andere „periphere“, aber einflussreiche Online-Communities bilden den Kern der sozialen Basis der ES-Perspektive.

Vielleicht zum Teil deshalb, weil sie weniger Mainstream ist als AT, hat ES einen viel klareren intellektuellen Kanon und eine Reihe von Führungspersonen. The Sovereign Individual von James Dale Davidson und Lord William Rees-Mogg, die Schriften von Curtis Yarvin unter dem Pseudonym Mencius Moldbug und „The Network State“ von Balaji Srinivasan und Bronze Age Mindset werden in der Gemeinschaft viel gelesen und zitiert.[45] Der Risikokapitalgeber Peter Thiel wird weithin als zentrale intellektuelle Führungspersönlichkeit angesehen, zusammen mit anderen (wie den genannten Autoren), deren Arbeit er finanziert oder gefördert hat.

ES hat eine enge, aber auch etwas komplizierte Beziehung zu den nationalistischen und rechtsextremen Kräften in demokratischen Ländern. Einerseits unterstützen die meisten Teilnehmer:innen dieser Gruppe deren politisches Engagement aktiv – etwa Peter Thiel, der als Hauptfinanzier Donald Trumps und seiner Bewegung auftritt. Tatsächlich sind mehrere führende Politiker:innen der Ultra-Rechten eng mit der ES-Weltanschauung verbunden: Der prominente britische konservative Parlamentsabgeordnete Jacob Rees-Mogg ist der Sohn von Lord William Rees-Mogg, Thiel beschäftigt den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, und die Thiel-Protegés Blake Masters und J. D. Vance kandidierten 2022 für den Senat, wobei letzterer einen Sitz gewann.

Andererseits steht die ES-Ideologie dem Nationalismus (oder jeder anderen Form von Kollektivismus oder Solidarität) konsequent ablehnend gegenüber, und die ES-Anhänger:innen verhöhnen und verwerfen routinemäßig viele zentrale religiöse, nationale und kulturelle Werte, die mit der Rechten assoziiert werden. Dies kann überbrückt werden durch eine gemeinsame Abneigung gegen vermeintlich vorherrschende linke Kulturwerte oder durch die Überzeugung, dass man technologischen Wandel radikal vorantreiben sollte, wie sie Curtis, Davidson und Rees-Mogg vertreten. Diese betrachtet die „nationalistische Gegenreaktion“ auf die unvermeidlichen technologischen Trends als Beschleuniger und möglichen Verbündeten bei der Auflösung des Nationalstaates.

Stagnation und Ungleichheit

Diese beiden Ideologien – die „Abundance Technocracy“ (Überfluss-Technokratie) oder AT und die „Entrepreneurial Sovereignty“ (ES) (Unternehmerische Souveränität) – haben in den meisten liberalen Demokratien in erheblichem Maße, wenn auch oft in abgeschwächter Form, die öffentliche Vorstellung von der Zukunft der Technologie beherrscht und damit die Richtung der Technologieinvestitionen für den größten Teil des letzten halben Jahrhunderts bestimmt. Während die technokratische Erzählung frisch klingt und mit den jüngsten Fortschritten in der KI zusammenhängt, wurden verwandte Diskussionen um KI bereits in den 1980er Jahren fast genauso fieberhaft geführt, wie Abbildung E zeigt. Auch wenn die jüngsten Diskussionen um Web3-Technologien das Profil des Libertarismus geschärft haben, war dieser wohl in den 1990er Jahren auf seinem Höhepunkt, als John Perry Barlows “Declaration of the Independence of Cyberspace”, Stephensons Romane und die Veröffentlichung von „The Sovereign Individual“ erschienen.

Die radikalen Versprechungen dieser Visionen veranlassten viele dazu, von der Informationstechnologie ein dramatisches Wirtschafts- und Produktivitätswachstum zu erwarten, ebenso wie die Wellen von Privatisierung, Deregulierung und Steuersenkungen, wie sie in den meisten liberalen Demokratien seit etwa einem halben Jahrhundert erfolgen. Diese Versprechungen haben sich jedoch bei weitem nicht erfüllt, und wirtschaftliche Analysen deuten zunehmend darauf hin, dass diese technologischen Richtungen eine Schlüsselrolle bei der Erklärung dieses Misserfolgs spielen könnten.

Shows the far higher rate of Total Factor Productivity growth during the Golden Age of American economic growth from the 1920s to the 1970s than before and after.

Abbildung 2-0-F. Verbesserung der Technologie dargestellt durch Wachstum der „Totalen Faktorproduktivität“. Quelle: Gordon, The Rise and Fall of American Growth[46]



Statt der versprochenen Explosion wirtschaftlicher Möglichkeiten war im letzten halben Jahrhundert eine dramatische Verlangsamung des Wirtschafts- und insbesondere des Produktivitätswachstums zu verzeichnen. Abbildung Y zeigt das Wachstum der „Totalen Faktorproduktivität (TFP)“ in den Vereinigten Staaten, das umfassendste Maß der Ökonom:innen für die Verbesserung der Technologie, im Durchschnitt der Jahrzehnte vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Die Raten während des „Goldenen Zeitalters“ in der Mitte des Jahrhunderts sind etwa doppelt so hoch wie vor und nach dieser Zeit, die wir als „digitale Stagnation“ bezeichnen. In anderen liberal-demokratischen Ländern Europas und in den meisten demokratischen Ländern Asiens ist das Muster noch dramatischer, wobei Südkorea und Taiwan die bemerkenswerten Ausnahmen bilden.

Shows that during the Golden Age, income growth was even across the income distribution, but lower at the very top, while during the Digital Stagnation it was lower over all but high at the very top.

Abbildung 2-0-G. Durchschnittliches Einkommenswachstum in den USA nach Einkommensperzentil während des Goldenen Zeitalters und der Großen Stagnation. Quelle: Saez und Zucman, „The Rise of Income and Wealth Inequality“[47]



Was ist im letzten halben Jahrhundert im Vergleich zum vorangegangenen Jahrhundert so schief gelaufen? Wirtschaftswissenschaftler:innen haben eine Reihe von Faktoren untersucht, vom Aufstieg der Marktmacht und dem Niedergang der Gewerkschaften bis hin zu der immer größeren Herausforderung, Innovationen zu entwickeln, da bereits so viel erfunden wurde. Es gibt jedoch immer mehr Hinweise auf zwei Faktoren, die eng mit dem Einfluss von AT beziehungsweise ES verbunden sind: die Verlagerung des technologischen Fortschritts hin zur Automatisierung und weg von der Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Verlagerung der Politik weg von der proaktiven Gestaltung der industriellen Entwicklung und Beziehungen hin zu der Annahme, dass „freie Märkte es am besten wissen“.

Was den ersten Punkt betrifft, so haben Acemoglu, Pascual Restrepo und Mitarbeiter:innen in einer Reihe neuerer Arbeiten die Verlagerung des technischen Fortschritts vom Goldenen Zeitalter zur digitalen Stagnation dokumentiert. Abbildung A fasst ihre Ergebnisse zusammen und zeigt die kumulativen Produktivitätsveränderungen im Laufe der Zeit, die sich aus der Automatisierung der Arbeit (die sie als „Verdrängung“ bezeichnen) und der Aufwertung der Arbeit (die sie als „Wiedereinstellung“ bezeichnen) ergeben[48]. Während des Goldenen Zeitalters glich die Wiedereinstellung die Verdrängung in etwa aus, so dass der Anteil des Einkommens, der an die Arbeitnehmer:innen geht, im Wesentlichen konstant blieb. Während der digitalen Stagnation hat sich die Verdrängung jedoch leicht beschleunigt, während die Wiedereinstellung drastisch zurückgegangen ist, was zu einem langsameren Gesamtproduktivitätswachstum und einem erheblichen Rückgang des Einkommensanteils der Arbeitnehmer:innen geführt hat. Darüber hinaus zeigt ihre Analyse, dass die ungerechten Auswirkungen dieses Ungleichgewichts durch die Konzentration der Verdrängung auf gering qualifizierte Arbeitnehmer:innen noch verschärft wurden.

Figure shows the cumulative overtime changes in productivity attributable to labor displacement v. reinstatement during the Golden Age and the Digital Stagnation, illustrating how much stronger displacement was during the Digital Stagnation.

Abbildung 2-0-H. Kumulative Veränderungen der Produktivität über die Zeit durch Verdrängung (Arbeitsautomatisierung) und Wiedereinsetzung (Arbeitsergänzung) während des Goldenen Zeitalters und der Großen Stagnation. Quelle: Acemoglu und Restrepo, „Automation and New Tasks: How Technology Displaces and Reinstates Labor“[49]



Die Rolle der „neoliberalen“ Politik bei der Stagnation und Ungleichheit in diesem Zeitraum ist weithin umstritten, und wir vermuten, dass sich die meisten Leser:innen ihre eigene Meinung zu diesem Thema gebildet haben. Eine:r von uns war auch Mitautor:in eines Buches, das einen Überblick über den Stand der Dinge vor etwa einem Jahrzehnt enthält.[50] Wir werden daher hier nicht ins Detail gehen und verweisen die Leser:innen stattdessen auf diese oder andere verwandte Schriften.[51] Es ist jedoch klar, dass die bestimmende ideologische und politische Richtung dieser Periode eine Hinwendung zur kapitalistischen Marktwirtschaft war, oft eng verbunden mit der Behauptung, dass eine solche Hinwendung durch die Globalisierung der Technologie und die daraus resultierende Unmöglichkeit kollektiven Regierens/Handelns, die den Kern der ES-Ideologie ausmacht, notwendig sei. Das weitgehend gescheiterte letzte halbe Jahrhundert der Technologie und Politik war somit durch die Dominanz der AT im Bereich der Technologie und der ES im Bereich der Politik gekennzeichnet.

Natürlich war das letzte halbe Jahrhundert kaum frei von technologischen Durchbrüchen, die wirklich positive, wenn auch uneinheitliche und manchmal problematische Veränderungen bewirkt haben. Personal Computer ermöglichten in den 1980er Jahren eine noch nie dagewesene menschliche Kreativität; das Internet ermöglichte in den 1990er Jahren die Kommunikation und Verbindung über zuvor unvorstellbare Entfernungen; Smartphones vereinten diese beiden Revolutionen und machten sie in den 2000er Jahren allgegenwärtig. Es ist jedoch auffallend, dass keine dieser kanonischen Innovationen unserer Zeit eindeutig in die AT- oder ES-Erzählung passt. Es handelt sich eindeutig um Technologien, die die menschliche Kreativität erweitern, oft als „Intelligence Augmentation“ oder IA (Intelligenzerweiterung) bezeichnet, und nicht um KI.[52] Doch auch sie waren nicht in erster Linie als Werkzeuge gedacht, um den bestehenden sozialen Institutionen zu entkommen; sie ermöglichten eine reichhaltige Kommunikation und Verbindung im Gegensatz zu Markttransaktionen, Privateigentum und Geheimhaltung. Wie wir sehen werden, entstammen diese Technologien einer ganz anderen Tradition als diese beiden. So waren auch die wenigen großen technologischen Sprünge in dieser Zeit weitgehend unabhängig von oder im Gegensatz zu diesen Visionen.

Unser brüchiger Gesellschaftsvertrag

Die wirtschaftlichen Bedingungen, die die Einführung von AT und ES begleiteten, sorgen für die Schlagzeilen – aber nur, weil sie sich am leichtesten quantifizieren lassen. Tiefer, heimtückischer und letztlich schädlicher ist die Korrosion der Zuversicht, des Glaubens und des Vertrauens, auf denen die gesellschaftliche Unterstützung sowohl der Demokratie als auch der Technologie beruht.

Das Vertrauen in die demokratischen Institutionen ist vor allem in den letzten anderthalb Jahrzehnten in allen Demokratien gesunken, insbesondere aber in den USA und den Entwicklungsländern. In den USA hat sich die Unzufriedenheit mit der Demokratie in den letzten drei Jahrzehnten von einer Randmeinung (weniger als 25 %) zu einer Mehrheitsmeinung entwickelt.[53] Auch das Vertrauen in die Technologie, insbesondere in die führenden Technologieunternehmen, hat in ähnlicher Weise abgenommen, auch wenn es weniger systematisch gemessen wird. In den USA ist der Technologiesektor, der Anfang und Mitte der 2010er Jahre noch als der vertrauenswürdigste Wirtschaftssektor galt, laut Umfragen von Organisationen wie dem Public Affairs Council, Morning Consult, Pew Research und Edelman Trust Barometer zu einem der am wenigsten vertrauenswürdigen Sektoren geworden.[54]

Diese Befürchtungen haben zu einem allgemeinen Vertrauensverlust in eine Reihe von gesellschaftlichen Institutionen geführt. Der Anteil der Amerikaner:innen, der ein hohes Vertrauen in mehrere führende Institutionen (einschließlich organisierter Religionen, der Bundesregierung, öffentlicher Schulen, Medien und Strafverfolgungsbehörden) zum Ausdruck bringt, ist in den meisten Fällen auf etwa die Hälfte des Niveaus gefallen, das zu Beginn solcher Erhebungen herrschte, das heißt um das Ende des Goldenen Zeitalters herum.[55] Die Tendenzen in Europa sind moderater, und das globale Bild ist uneinheitlich, aber der allgemeine Trend zu einem sinkenden Vertrauen in die Institutionen in demokratischen Ländern ist weithin anerkannt.[56]

Unsere Zukunft zurückgewinnen

Technologie und Demokratie sind die beiden Seiten einer sich vertiefenden Kluft gefangen. Dieser Krieg schadet beiden Seiten des Konflikts, untergräbt die Demokratie und verlangsamt die technologische Entwicklung. Als Kollateralschaden verlangsamt er das Wirtschaftswachstum, untergräbt das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen und schürt die Ungleichheit. Dieser Konflikt ist nicht unvermeidlich; er ist das Ergebnis der technologischen Richtungen, für die sich die liberalen Demokratien gemeinsam entschieden haben und die von Ideologien über die Zukunft angetrieben werden, die demokratischen Idealen zuwiderlaufen. Da politische Systeme auf Technologien angewiesen sind, um zu gedeihen, kann die Demokratie nicht gedeihen, wenn wir diesen Weg weiter beschreiten.

Ein anderer Weg ist möglich. Technologie und Demokratie können die besten Verbündeten füreinander sein. Wie wir argumentieren werden, ist die digitale Demokratie erst der Anfang eines Traums. Sie erfordert jedoch eine noch nie dagewesene Technologie, um überhaupt eine Chance auf Verwirklichung zu haben. Indem wir unsere Zukunftsvisionen neu denken und öffentliche Investitionen, Forschungspläne sowie private Entwicklungen entsprechend ausrichten, können wir diese Zukunft aufbauen. Im weiteren Verlauf dieses Buches möchten wir Ihnen zeigen wie. Beginnen wir mit der Geschichte eines Ortes, der auf diesem Weg weiter als jeder andere vorangekommen ist: ein Ort, an dem Demokratie und digitale Technologie nicht bloß Verbündete sind, sondern untrennbar miteinander verwoben.


  1. Shoshanna Zuboff, The Age of Surveillance Capitalism (New York: Public Affairs, 2019): 513. Auf Deutsch unter dem Titel Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus bei Campus Verlag erschienen. ↩︎

  2. Marc Andreessen, “The Techno-Optimist Manifesto”, Andreessen Horowitz Blog, October 16, 2023, https://a16z.com/the-techno-optimist-manifesto/. ↩︎

  3. Daron Acemoglu, and James A Robinson, The Narrow Corridor: States, Societies, and the Fate of Liberty. (New York: Penguin Books, 2020). ↩︎

  4. Solche Beziehungen unterscheiden sich von denen, die in Märkten entstehen, welche auf bilateralem, transaktionalem Austausch in einer „universellen“ Währung basieren, da sie Wert in Einheiten bemessen, die auf lokalem Wert und Vertrauen beruhen. ↩︎

  5. Mary Gray, Out in the Country: Youth, Media, and Queer Visibility in Rural America (New York: NYU Press, 2009). See also O’Day, Emily B., and Richard G. Heimberg, “Social Media Use, Social Anxiety, and Loneliness: A Systematic Review,” Computers in Human Behavior Reports 3, no. 100070 (January 2021), https://doi.org/10.1016/j.chbr.2021.100070; and see also Hunt Allcott, Luca Braghieri, Sarah Eichmeyer, and Matthew Gentzkow, “The Welfare Effects of Social Media,” American Economic Review 110, no. 3 (March 1, 2020): 629–76. https://doi.org/10.1257/aer.20190658. ↩︎

  6. Siddharth Suri, and Mary L Gray, Ghost Work: How to Stop Silicon Valley from Building a New Global Underclass, (Boston: Houghton Mifflin Harcourt, 2019). David H. Autor, “Why Are There Still So Many Jobs? The History and Future of Workplace Automation”, Journal of Economic Perspectives 29, no. 3 (2015): 3-30, https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257%2Fjep.29.3.3&source=post_page. ↩︎

  7. Steven Levitsky, and Daniel Ziblatt. How Democracies Die, (New York: Broadway Books, 2018).; See also Yascha Mounk, The People vs. Democracy: Why Our Freedom Is in Danger and How to Save It, (Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 2018); Cass Sunstein, #Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media, (Princeton, New Jersey: Princeton University Press, 2017; Kathleen Jamieson, and Joseph Cappella, Echo Chamber: Rush Limbaugh and the Conservative Media Establishment, (Oxford, New York: Oxford University Press, 2008). Levi Boxell, Matthew Gentzkow and Jesse M. Shapiro, “Greater Internet Use is Not Associated with Faster Growth in Political Polarization among US Demographic Groups” Proceedings of the National Academy of Sciences 114, no. 40: 10612-10617. Levi Boxell, Matthew Gentzkow and Jesse M. Shapiro, “Cross-Country Trends in Affective Polarization” Review of Economics and Statistics Forthcoming. ↩︎

  8. Alp Simsek, “The Macroeconomics of Financial Speculation,” Annual Review of Economics 13, no. 1 (May 11, 2021), https://doi.org/10.1146/annurev-economics-092120-050543. ↩︎

  9. Ben McKenzie, and Jacob Silverman, Easy Money: Cryptocurrency, Casino Capitalism, and the Golden Age of Fraud, (New York: Abrams, 2023); "Financial Stability Board, “Regulation, Supervision and Oversight of Crypto-Asset Activities and Markets Consultative Document,” 2022, https://www.fsb.org/wp-content/uploads/P111022-3.pdf; Greg Lacurci, “Cryptocurrency Poses a Significant Risk of Tax Evasion,” CNBC, May 31, 2021, https://www.cnbc.com/2021/05/31/cryptocurrency-poses-a-significant-risk-of-tax-evasion.html; Arianna Trozze, Josh Kamps, Eray Akartuna, Florian Hetzel, Bennett Kleinberg, Toby Davies, and Shane Johnson, “Cryptocurrencies and Future Financial Crime,” Crime Science 11, no. 1 (January 5, 2022), https://doi.org/10.1186/s40163-021-00163-8; Baer, Katherine, Ruud De Mooij, Shafik Hebous, and Michael Keen, “Crypto Poses Significant Tax Problems—and They Could Get Worse,” IMF, July 5, 2023, https://www.imf.org/en/Blogs/Articles/2023/07/05/crypto-poses-significant-tax-problems-and-they-could-get-worse; and “Crypto-Assets: Implications for Financial Stability, Monetary Policy, and Payments and Market Infrastructures.” ECB Occasional Paper, no. 223 (May 17, 2019), https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3391055. ↩︎

  10. Tristan Harris, “Ethics for Designers — How Technology Hijacks People’s Minds — from a Magician and Google’s Design Ethicist,” Ethics for Designers, March 4, 2017, https://www.ethicsfordesigners.com/articles/how-technology-hijacks-peoples-minds; https://www.youtube.com/watch?v=7LqaotiGWjQ; and Daniel Schmachtenberger, “Explorations on the Future of Civilization,” n.d. https://civilizationemerging.com/. ↩︎

  11. Shoshana Zuboff, Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus, engl. „The Age of Surveillance Capitalism: The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power“, (New York, NY: PublicAffairs, 2019); Cathy O’neil, Weapons of Math Destruction: How Big Data Increases Inequality and Threatens Democracy, (New York: Crown, 2016); Evangelos Simoudis, The Big Data Opportunity in Our Driverless Future. (Menlo Park, Ca: Corporate Innovators, Llc, 2017); Philippe Aghion, Benjamin Jones, and Charles Jones, “Artificial Intelligence and Economic Growth,” 2017, https://web.stanford.edu/~chadj/AI.pdf; Ford, Martin, Aufstieg der Roboter, (Kulmbach: Plassen Verlag, 2016), engl. „Rise of the Robots: Technology and the Threat of a Jobless Future“, (New York: Basic Books, 2015); Kai-Fu Lee, AI Superpowers China, Silicon Valley, and the New World Order, (Boston: Houghton Mifflin Harcourt, 2018); David Brin, The Transparent Society: Will Technology Force Us to Choose between Privacy and Freedom? (New York: Basic Books, 1999); Safiya Noble, Algorithms of Oppression: How Search Engines Reinforce Racism (New York: New York University Press, 2018); and Virginia Eubanks, Automating Inequality: How High-Tech Tools Profile, Police, and Punish the Poor, (New York: St. Martin’s Press, 2018). ↩︎

  12. Meredith Broussard. Artificial Unintelligence: (Cambridge, Massachusetts: The MIT Press, 2018), https://doi.org/10.7551/mitpress/11022.001.0001; Cathy O’neil, Weapons of Math Destruction: How Big Data Increases Inequality and Threatens Democracy, (New York: Crown, 2016); Ruha Benjamin, “Race after Technology: Abolitionist Tools for the New Jim Code,” Social Forces 98, no. 4 (December 23, 2019), https://doi.org/10.1093/sf/soz162; Victor Margolin, The Politics of the Artificial: Essays on Design and Design Studies, (Chicago: The University of Chicago Press, 2002). ↩︎

  13. Daron Acemoglu, and Pascual Restrepo, “The Race between Man and Machine: Implications of Technology for Growth, Factor Shares, and Employment,” American Economic Review 108, no. 6 (June 2018): 1488–1542. https://doi.org/10.1257/aer.20160696; Jonathan Haskel, and Stian Westlake, “Capitalism without Capital: The Rise of the Intangible Economy (an Excerpt),” Journal of Economic Sociology 22, no. 1 (2021): 61–70, https://doi.org/10.17323/1726-3247-2021-1-61-70; Ajay Agrawal, Joshua Gans, Avi Goldfarb, and Catherine Tucker, The Economics of Artificial Intelligence, (Illinois: University of Chicago Press, 2024). ↩︎

  14. Jan De Loecker, Jan Eeckhout, and Gabriel Unger. “The Rise of Market Power and the Macroeconomic Implications,” The Quarterly Journal of Economics 135, no. 2 (January 23, 2020): 561–644, https://doi.org/10.1093/qje/qjz041; John Barrios, Yael V. Hochberg, and Hanyi Yi. “The Cost of Convenience: Ridehailing and Traffic Fatalities,” SSRN Electronic Journal, 2019, https://doi.org/10.2139/ssrn.3361227; and Tali Kristal, “The Capitalist Machine: Computerization, Workers’ Power, and the Decline in Labor’s Share within U.S. Industries,” American Sociological Review 78, no. 3 (May 29, 2013): 361–89. https://doi.org/10.1177/0003122413481351. ↩︎

  15. Kai-Fu Lee, AI Superpowers China, Silicon Valley, and the New World Order, (Boston Houghton Mifflin Harcourt, 2018); Bruce Dickson, The Dictator’s Dilemma: The Chinese Communist Party’s Strategy for Survival, (Oxford, England, New York: Oxford University Press, 2016); Nick Couldry, and Ulises Mejias, “Data Colonialism: Rethinking Big Data’s Relation to the Contemporary Subject,” Television & New Media 20, no. 4 (September 2, 2019): 336–49. Steven Feldstein, The Rise of Digital Repression: How Technology Is Reshaping Power, Politics, and Resistance, (New York: Oxford University Press, 2021). ↩︎

  16. Richard Wike and Jannell Fetterolf, “Global Public Opinion in an Era of Democratic Anxiety” Pew Trust Magazine 27. Mai 2022. Ironischerweise könnte in fragilen Demokratien, in denen der Staat nur begrenzte Kapazitäten für die Governance von Technologie hat, das Chaos (der Zusammenbruch der vorherrschenden Ordnung durch disruptive Technologien) ein Verbündeter der Demokratie sein. Vom Arabischen Frühling, der Anfang der 2010er Jahre Nordafrika erfasste, bis hin zu Nigerias #EndSARS-Bewegung im Jahr 2020 haben Autokratien und fragile Demokratien den Aufstieg einer neuen Klasse von Social-Media-versierten, fintech-fähigen und kryptowährungsgestärkten jungen Bürgern verzeichnet, die diese Technologien einsetzen, um autoritäre staatliche Institutionen herauszufordern. Diese Störer wurden von den Algorithmen der Technologieunternehmen unterstützt, allerdings nur insoweit, als die Ziele solcher sozialer Bewegungen mit den kommerziellen Interessen der Unternehmen übereinstimmen. Michael Etter und Oana Albu, „Activists in the Dark: Social Media Algorithms and Collective Action in Two Social Movement Organizations,“ Organization 28, Nr. 1 (29. September 2020): 135050842096153. https://doi.org/10.1177/1350508420961532. In einigen Fällen wurden solche Bewegungen durch die ausdrückliche Unterstützung und Förderung einflussreicher Gründer verstärkt. Jack Dorsey (@Jack) „Donate via #Bitcoin to help #EndSARS…,“ X, 14. Oktober 2020, 22.05 Uhr, https://twitter.com/jack/status/1316485283777519620? Ohne Zweifel fördern solche Interventionen demokratische Bewegungen und verstärken die anderweitig unterdrückten Stimmen der Bürger. Abgesehen von dem Risiko eines schlechten Kontextverständnisses und der potentiellen Spaltung, für die solche ausländischen Interventionen anfällig sein könnten, unterstreichen sie jedoch die Debatte über die Auswirkungen nichtstaatlicher Akteure wie der globalen Konzerne auf die staatliche Souveränität in Afrika und im globalen Süden im weiteren Sinne. Ohimai Amaize, How Twitter Amplified the Divisions That Derailed Nigeria’s #EndSARS Movement, Slate Magazine, 20. April 2021, https://slate.com/technology/2021/04/endsars-nigeria-twitter-jack-dorsey-feminist-coalition.html. ↩︎

  17. Die Europäische Kommission veröffentlichte eine Studie über die Auswirkungen von Open-Source-Software (OSS). Strenge Datenkontrolle in der EU hat zu einem Mangel an Wettbewerb und Innovation sowie zu einem erhöhten Marktrisiko geführt. Jedoch lassen sich mehr Investitionen in OSS als Reaktion auf Innovationsschritte in vielen osteuropäischen Ländern beobachten. Sollte der Westen seine Investitionen in digitale Technologien nicht aufrechterhalten, wird er in Zukunft massive Verluste erleiden. Als Beispiel lässt sich die Bedeutung digitaler OSS im Krieg zwischen Ukraine und Russland anführen. Weitere Informationen zur digitalen Position Europas finden sich in „Open Technologies for Europe’s Digital Decade“, OpenForumEurope, o.D., https://openforumeurope.org/. ↩︎

  18. Google ngram Viewer, op. cit. ↩︎

  19. “Views of Big Tech Worsen; Public Wants More Regulation,” Gallup.com, February 18, 2021, https://news.gallup.com/poll/329666/views-big-tech-worsen-public-wants-regulation.aspx; siehe aber auch “Europeans Strongly Support Science and Technology according to New Eurobarometer Survey,” Europäische Kommission, 23. September 2021, https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/IP_21_4645. ↩︎

  20. See Fredrik Erixon, and Björn Weigel, The Innovation Illusion: How so Little Is by so Many Working so Hard, (New Haven: Yale University Press, 2017) and Robert Gordon, The Rise and Fall of American Growth: The U.S. Standard of Living since the Civil War, (Princeton; Oxford Princeton University Press, 2017). Siehe auch Carl Benedikt, and Michael Osborne, “The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation,” The Oxford Martin Programme on Technology and Employment, 2013. https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/future-of-employment.pdf. Erik Brynjolfsson, and Andrew McAfee, The Second Machine Age: Work, Progress, and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies, (New York: W.W. Norton & Company, 2014). Calestous Juma. Innovation and Its Enemies: Why People Resist New Technologies. (New York: Oxford University Press, 2019). Paul De Grauwe, and Anna Asbury. The Limits of the Market: The Pendulum between Government and Market. Oxford: Oxford University Press, 2019. Zu Datenquellen siehe “Gross Domestic Spending on R&D,” 2022. https://data.oecd.org/rd/gross-domestic-spending-on-r-d.htm.; OECD. “OECD Main Science and Technology Indicators,” OECD, March 2022. https://web-archive.oecd.org/2022-04-05/629283-msti-highlights-march-2022.pdf.; and “R&D Expenditure,” Eurostat, n.d., https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=R%26D_expenditure&oldid=590306. ↩︎

  21. Gary Anderson and Francisco Moris, “Federally Funded R&D Declines as a Share of GDP and Total R&D”, National Center for Science and Engineering Statistics NSF 23-339 (Alexandria, VA: National Science Foundation, 2023) verfügbar unter https://ncses.nsf.gov/pubs/nsf23339/. [Für vergleichbare deutsche Daten siehe: BMBF, Bundesbericht Forschung und Innovation 2024] ↩︎

  22. Siehe Julien Mailland und Kevin Driscoll, Minitel: Welcome to the Internet (Cambridge, MA: MIT Press, 2017) [über das französische Computernetz, Vorläufer des Internets; vgl. deutsches BTX-System]. Zum Beispiel wird sogar gemeinwohlorientierter Open-Source-Code größtenteils von privaten Akteuren finanziert, obwohl die US-Regierung kürzlich einige Anstrengungen unternommen hat, um diesen Sektor mit der Einführung von code.gov [US-Regierungsportal für Open-Source-Software] zu unterstützen. ↩︎

  23. “Transcript: Ezra Klein Interviews Sam Altman,” The New York Times, June 11, 2021, sec. Podcasts [Interview mit dem OpenAI-CEO über KI-Revolution und gesellschaftliche Auswirkungen; nur auf Englisch verfügbar]. https://www.nytimes.com/2021/06/11/podcasts/transcript-ezra-klein-interviews-sam-altman.html. ↩︎

  24. Emily Crawford, “Made in China 2025: The Industrial Plan That China Doesn’t Want Anyone Talking About,” Frontline PBS, May 7, 2019. https://www.pbs.org/wgbh/frontline/article/made-in-china-2025-the-industrial-plan-that-china-doesnt-want-anyone-talking-about/; Ramnath Reghunadhan, “Innovation in China: Challenging the Global Science and Technology System,” Asian Affairs 50, no. 4 (8. August 2019): 656–57. https://doi.org/10.1080/03068374.2019.1663076. United Arab Emirates National Strategy for Artificial Intelligence (2018) verfügbar unter https://ai.gov.ae/wp-content/uploads/2021/07/UAE-National-Strategy-for-Artificial-Intelligence-2031.pdf. ↩︎

  25. See Robert Mcchesney, Digital Disconnect: How Capitalism Is Turning the Internet against Democracy, (New York; London: The New Press, 2013). Siehe auch Matthew Hindman, The Internet Trap: How the Digital Economy Builds Monopolies and Undermines Democracy, (Princeton, New Jersey: Princeton University Press, 2018); Adam Segal, The Hacked World Order: How Nations Fight, Trade, Maneuver, and Manipulate in the Digital Age, (New York: Publicaffairs, September, 2017); Richard Stengel, Information Wars: How We Lost the Global Battle against Disinformation und What We Can Do about It, (St. Louis: Grove Press Atlantic, 2020); und Tim Wu, The Attention Merchants: The Epic Scramble to Get inside Our Heads, (New York: Vintage Books, 2017). ↩︎

  26. Vereinte Nationen, Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten. E-Government Knowledge Database, 2022. https://publicadministration.un.org/egovkb/Data-Center ↩︎

  27. Sara Perez, “Amid Twitter chaos, Mastodon grew donations 488% in 2022, reached 1.8M monthly active users”, Tech Crunch, 2. October 2023 unter https://techcrunch.com/2023/10/02/amid-twitter-chaos-mastodon-grew-donations-488-in-2022-reached-1-8m-monthly-active-users/) ↩︎

  28. Siehe Rogier Creemers, Hunter Dorwart, Kevin Neville, Kendra Schaefer, Johanna Costigan, and Graham Webster, “Translation: 14th Five-Year Plan for National Informatization – Dec. 2021.” DigiChina, 24. Januar 2022, https://digichina.stanford.edu/work/translation-14th-five-year-plan-for-national-informatization-dec-2021/. ↩︎

  29. Josh O’Kane, Sideways: The City Google Couldn’t Buy (Toronto: Random House Canada, 2022). ↩︎

  30. Siehe beispielsweise John Alun, Samuel Shen, and Tom Wilson. “China’s Top Regulators Ban Crypto Trading and Mining, Sending Bitcoin Tumbling.” Reuters, 24. September 2021, https://www.reuters.com/world/china/china-central-bank-vows-crackdown-cryptocurrency-trading-2021-09-24/. Siehe auch Bernhard Bartsch, Martin Gottske, and Christian Eisenberg, “China’s Social Credit System,” n.d., https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/aam/Asia-Book_A_03_China_Social_Credit_System.pdf. ↩︎

  31. Gleb Stolyarov, and Gabrielle Tétrault-Farber, “‘Face Control’: Russian Police Go Digital against Protesters,” Reuters, 11. Februar 2021, https://www.reuters.com/article/us-russia-politics-navalny-tech-idUSKBN2AB1U2. Siehe auch Mark Krutov, Maria Chernova, and Robert Coalson, “Russia Unveils a New Tactic to Deter Dissent: CCTV and a ‘Knock on the Door,’ Days Later,” Radio Free Europe/Radio Liberty, 28. April 2021, https://www.rferl.org/a/russia-dissent-cctv-detentions-days-later-strategy/31227889.html. ↩︎

  32. Anastasiia Kruope, “Russia Uses Facial Recognition to Hunt down Draft Evaders,” Human Rights Watch, 26. Oktober 2022, https://www.hrw.org/news/2022/10/26/russia-uses-facial-recognition-hunt-down-draft-evaders. ↩︎

  33. Neal Stephenson, Snow Crash (New York: Bantam, 1992). [Deutsch bei verschiedenen Verlagen erschienen.] ↩︎

  34. Isaac Asimov, I, Robot (New York: Gnome Press: 1950). [Deutsch: Ich, der Robot, bei verschiedenen Verlagen erschienen.] Iain Banks, Consider Phlebas (London: Macmillan, 1987). [Deutsch: Bedenke Phlebas, Heyne Verlag.] Ray Kurzweil, The Age of Spiritual Machines (New York: Viking, 1999). [Deutsch: Homo S@piens, Econ Verlag.] Nicholas Bostrom, Superintelli- gence (Oxford, UK: Oxford University Press, 2014). [Deutsch: Superintelligenz: Szenarien einer kommenden Revolution, Suhrkamp Verlag.] ↩︎

  35. Ursula K. LeGuin, The Dispossessed: An Ambiguous Utopia (New York: Harper & Row, 1974). [Deutsch: Planet der Habenichtse (1976), Die Enteigneten (2006), Freie Geister (2017).] Octavia E. Butler, Wild Seed (New York: Doubleday, 1980). [Deutsche Übersetzung bei verschiedenen Verlagen erschienen.] Marge Piercy, Woman on the Edge of Time (New York: Knopf, 1976).[Deutsche Übersetzung bei verschiedenen Verlagen erschienen.] Karl Schroeder, „Degrees of Freedom“ in Ed Finn and Kathryn Cramer eds. Hieroglyph: Stories & Visions for a Better Future (New York: William Morrow, 2014). Karl Schroeder, Stealing Worlds (New York: Tor Books, 2019) Annalee Newitz, The Future of Another Timeline (New York: Tor Books, 2019). Cory Doctorow, Walkaway (New York: Tor Books, 2017). [Deutsche Übersetzung verfügbar.] Malka Older, Infomocracy (New York: Tor Books, 2016). Naomi Alderman, The Power, (New York:Viking, 2017) [Deutsch: Die Gabe, Heyne Verlag.] Cixin Liu, The Three-Body Problem (New York: Tor Books, 2014) [Deutsch: Die drei Sonnen, Heyne Verlag.] Paolo Bacigalupi, The Windup Girl (New York: Start Publishing LLC, 2009). [Deutsche Übersetzung bei verschiedenen Verlagen erschienen.] Neal Stephenson, The Diamond Age (New York: Spectra, 2003). [Deutsche Übersetzung bei verschiedenen Verlagen erschienen.] William Gibson, The Peripheral (New York: Berkley, 2019). [Deutsche Übersetzung bei verschiedenen Verlagen erschienen.] ↩︎

  36. Jacques Ellul, The Technological Society (New York: Vintage Books, 1964). Paul Hoch, Donald MacKenzie, and Judy Wajcman, “The Social Shaping of Technology,” Technology and Culture 28, no. 1 (January 1987): 132 https://doi.org/10.2307/3105489. Andrew Pickering, “The Cybernetic Brain: Sketches of Another Future,” Kybernetes 40, no. 1/2 (March 15, 2011) https://doi.org/10.1108/k.2011.06740aae.001. Deborah Douglas, Wiebe E. Bijker, Thomas P. Hughes, and Trevor Pinch, The Social Construction of Technological Systems: New Directions in the Sociology and History of Technology (Cambridge, Massachusetts: MIT Press, 2012), available at: https://www.jstor.org/stable/j.ctt5vjrsq. Charles C. Mann, 1491: New Revelation of the Americas Before Columbus (New York: Knopf, 2005). ↩︎

  37. Daron Acemoglu and Simon Johnson, Power and Progress: Our Thousand-Year Struggle over Technology and Prosperity (New York: PublicAffairs, 2023). [Deutsch: Macht und Fortschritt: Unser 1000-jähriges Ringen um Technologie und Wohlstand, Campus Verlag, 2023 ↩︎

  38. Nestor Maslej, Loredana Fattorini, Erik Brynjolfsson, John Etchemendy, Katrina Ligett, Terah Lyons, James Manyika, Helen Ngo, Juan Carlos Niebles, Vanessa Parli, Yoav Shoham, Russell Wald, Jack Clark, and Raymond Perrault, „The AI Index 2023 Annual Report,“ AI Index Steering Committee, Institute for Human-Centered AI, Stanford University, Stanford, CA, April 2023. [Der Bericht liegt nicht in deutscher Übersetzung vor, wird aber als „AI Index Report“ oder „KI-Index-Bericht“ in deutschen Fachkreisen zitiert AI Index 2023: Über die Hälfte des globalen KI-Wagniskapitals stammt aus den USA | heise online ↩︎

  39. Pitchbook, “Crypto Report” Q4 2023 unter https://pitchbook.com/news/reports/q4-2023-crypto-report. ↩︎

  40. Einem Bericht des Forschungs- und Beratungsunternehmens Gartner zufolge werden die weltweiten Staatsausgaben für KI voraussichtlich 37 Milliarden erreichen (2021), was einem Anstieg von 22,4% gegenüber dem Vorjahr entspricht. - China führt weltweit bei KI-Investitionen: Chinesische Unternehmen investierten 25 Milliarden in KI im Jahr 2017, verglichen mit 9,7 Milliarden in den USA. Im Jahr 2021 verabschiedete der US-Senat ein 250-Milliarden-Gesetz, das 52 Milliarden Dollar für Halbleiterforschung und -entwicklung vorsieht, was voraussichtlich die KI-Fähigkeiten des Landes stärken wird. Zusätzlich kündigte die Europäische Union im selben Jahr eine Investition von 8,3 Milliarden in künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Supercomputer als Teil ihres Digital Decade-Plans an. Im Jahr 2021 begann die Bank of Japan mit Experimenten zu einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) und Chinas Zentralbank startete ein Pilotprogramm für den digitalen Yuan in mehreren Städten. ↩︎

  41. Sam Altman, “Moore’s Law for Everything”, 16. März 2021 https://moores.samaltman.com/. ↩︎

  42. Nicholas Bostrom, Deep Utopia: Life and Meaning in a Solved World (Washington, DC: Ideapress, 2024). ↩︎

  43. Ayn Rand, Atlas Shrugged (New York: Random House, 1957). [Deutsch: Atlas wirft die Welt ab (1959), Der Streik (2012), Der freie Mensch (2021) - verschiedene deutsche Übersetzungen bei verschiedenen Verlagen Wikipedia ↩︎

  44. Neal Stephenson, Cryptonomicon (New York: Avon, 1999). [Deutsch: Cryptonomicon, Manhattan Verlag, 2001, übersetzt von Juliane Gräbener-Müller und Nikolaus Stingl Wikipedia ↩︎

  45. James Dale Davidson and Lord William Rees-Mogg, The Sovereign Individual: Mastering the Transition to the Information Age (New York: Touchstone, 1999). Mencius Moldbug, Unqualified Reservations https://www.unqualified-reservations.org/. Balaji Srinavasan, The Network State (Self-published, 2022) verfügbar unter https://thenetworkstate.com/. Bronze Age Pervert, Bronze Age Mindset (im Selbstverlag, 2018). ↩︎

  46. Robert J. Gordon, op. cit. ↩︎

  47. Emmanuel Saez and Gabriel Zucman, “The Rise of Wealth and Inequality in America: Evidence from Distributional Macroeconomic Accounts,” Journal of Economic Perspectives 34, no. 4 (2020): 3-26. ↩︎

  48. Daron Acemoglu and Pascual Restrepo, „Automation and New Tasks: How Technology Displaces and Reinstates Labor.“ Journal of Economic Perspectives 33, no. 2 (May 2019): 3–30. https://doi.org/10.1257/jep.33.2.3. Anmerkung: Die genaue Abgrenzung zwischen Goldenem Zeitalter und Digitaler Stagnation unterscheidet sich zwischen diesen Studien, liegt aber immer irgendwo in den 1970er oder 1980er Jahren. ↩︎

  49. Ibid. ↩︎

  50. Eric Posner, Glen Weyl, and Vitalik Buterin, Radical Markets: Uprooting Capitalism and Democracy for a Just Society, (Princeton: Princeton University Press, 2019). ↩︎

  51. Thomas Philippon, The Great Reversal: How America Gave up on Free Markets, (Cambridge, Massachusetts: The Belknap Press Of Harvard University Press, 2019); Jonathan Tepper, The Myth of Capitalism: Monopolies and the Death of Competition, New York: Harper Business, 2018). ↩︎

  52. John Markoff, Machines of Loving Grace: The Quest for Common Ground Between Humans and Robots (New York: Ecco, 2015). ↩︎

  53. Fred Lewsey, “Global Dissatisfaction with Democracy at a Record High,” University of Cambridge, January 29, 2020, https://www.cam.ac.uk/stories/dissatisfactiondemocracy. ↩︎

  54. Laut dem Edelman Trust Barometer 2021 vertrauen nur 57% der weltweiten Befragten der Technologie als verlässlicher Informationsquelle. Dies stellt einen Rückgang von 4 Punkten gegenüber der Umfrage des Vorjahres dar. Eine Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2020 ergab, dass 72% der Amerikaner glauben, dass Social-Media-Unternehmen zu viel Macht und Einfluss auf die Nachrichten haben, die Menschen sehen. Zusätzlich sagten 51% der Befragten, sie seien sehr oder etwas besorgt über die Rolle der Technologie bei der politischen Polarisierung. Eine Umfrage des Center for the Governance of AI an der University of Oxford aus dem Jahr 2019 ergab, dass nur 33% der Amerikaner glauben, dass Technologie- unternehmen im Allgemeinen vertrauenswürdig sind. In einer Umfrage unter 9.000 Menschen in neun Ländern, durchgeführt von Ipsos MORI im Jahr 2020, sagten nur 30% der Befragten, dass sie Social-Media-Unternehmen vertrauen, verantwortungsvoll mit ihren Daten umzugehen. Diese Datenpunkte deuten darauf hin, dass es eine wachsende Skepsis und Sorge über die Rolle der Technologie in der Gesellschaft gibt, einschließlich ihrer Auswirkungen auf die Demokratie. Siehe Richard Wike, Laura Silver, Janell Fetterolf, Christine Huang, Sarah Austin, Laura Clancy, and Sneha Gubbala. „Social Media Seen as Mostly Good for Democracy across Many Nations, but U.S. Is a Major Outlier,“ Pew Research Center, December 6, 2022, https://www.pewresearch.org/global/2022/12/06/social-media-seen-as-mostly-good-for-democracy-across-many-nations-but-u-s-is-a-major-outlier/. Pew Research zeigt, dass gewöhnliche Bürger soziale Medien sowohl als konstruktive als auch als destruktive Komponente des politischen Lebens sehen, und insgesamt glauben die meisten, dass sie tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Demokratie hatten. In den befragten Ländern sagen im Median 57%, dass soziale Medien eher gut für ihre Demokratie waren, während 35% sagen, sie seien schlecht gewesen. Es gibt jedoch erhebliche länderübergreifende Unterschiede bei die- ser Frage, und die Vereinigten Staaten sind ein klarer Ausreißer: Nur 34% der US-Erwachsenen denken, dass soziale Medien gut für die Demokratie waren, während 64% sagen, sie hätten einen schlechten Einfluss gehabt. Tatsächlich sind die USA bei einer Reihe von Maßstäben ein Ausreißer, wobei größere Anteile von Amerikanern soziale Medien als spaltend ansehen. Siehe OAIC, „Australian Community Attitudes to Privacy Survey 2020 Prepared for the Office of the Australian Information Commissioner by Lonergan Research,“ 2020, https://www.oaic.gov.au/__data/assets/pdf_file/0015/2373/australian-community-attitudes-to-privacy-survey-2020.pdf. Viele Verbraucher-Befragte einer aktuellen australischen Umfrage (58%) gaben zu, dass sie nicht verstehen, was Unternehmen mit den Daten machen, die sie sammeln, und 49% fühlen sich unfähig, ihre Daten aufgrund mangelnden Wissens oder Zeit sowie der Komplexität der beteiligten Prozesse zu schützen (OAIC, 2020). „Twitter, Facebook, YouTube und Instagram sind entscheidend für die Verbreitung der schnellen und weitreichenden Ausbreitung von Informationen,“ erklärt eine systematische Überprüfung der WHO. Siehe World Health Organization, „Infodemics and Misinformation Negatively Affect People’s Health Behaviours,“ September 1, 2022. https://www.who.int/europe/news/item/01-09-2022-infodemics-and-misinformation-negatively-affect-people-s-health-behaviours–new-who-review-finds. Die Auswirkungen von Fehlinformationen in sozialen Medien umfassen solche negativen Effekte wie „eine Zunahme fehlerhafter Interpretationen wissenschaftlichen Wissens, Meinungspolarisierung, eskalierende Angst und Panik oder verringerter Zugang zur Gesundheitsversorgung“. Siehe Janna Anderson, and Lee Rainie, „Concerns about Democracy in the Digital Age,“ Pew Research Center, February 21, 2020. https://www.pewresearch.org/internet/2020/02/21/concerns-about-democracy-in-the-digital-age/. ↩︎

  55. Gallup, “Confidence in Institutions,” o. J., https://news.gallup.com/poll/1597/confidence-institutions.aspx. ↩︎

  56. Vereinte Nationen, Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten, „Trust in Public Institutions: Trends and Implications for Economic Security,“ o.J., https://social.desa.un.org/publications/trust-in-public-institutions-trends-and-implications-for-economic-security. Siehe auch Marta Kolczynska, Paul-Christian Bürkner, Lauren Ken- nedy, and Aki Vehtari, „Modeling Public Opinion over Time and Space: Trust in State Institutions in Europe, 1989-2019,“ SocArXiv, August 11, 2020. https://doi.org/10.31235/osf.io/3v5g7. ↩︎