Ein Blick auf Yu Shan

“Wirbelnder Ozean, wunderschöne Inseln; eine transkulturelle Republik von Bürger:innen.[1]


Wenn man auf dem Gipfel des höchsten Berges Ostasiens steht, dem Yushan (Jadeberg), kann man nicht nur auf Taiwan herabblicken, sondern auch spüren, dass dieser kleine, gebirgige Inselstaat ein globaler Knotenpunkt ist. An der Kreuzung der eurasischen und der pazifischen tektonischen Platte, schiebt die geologische Verwerfungslinie Taiwan jährlich nach oben, obwohl sie auch regelmäßig Erdbeben verursacht, vor denen strenge Bauvorschriften die Einwohner:innen schützen. In gleicher Weise hat die Kollision vielfältiger Kulturen, Geschichten und Werten Taiwans eine wohlhabende und innovative Gesellschaft hervorgebracht, die durch die pro-soziale digitale Innovation zugleich vor Polarisierung geschützt wird.

Heute, mit einer Wahlbeteiligung von über 70%[2], der zweitgrößten religiösen Vielfalt der Welt[3] und 90 % der globalen Produktionskapazität für hochentwickelte Chips, hat Taiwan geografische Beschränkungen überwunden und gezeigt, dass es eine resiliente, demokratische Gesellschaft ist, die mit Menschen und Unternehmen aus der ganzen Welt zusammenarbeitet.

Taiwans Fähigkeit, während der Covid-Krise eine der weltweit niedrigsten Todesraten ohne jegliche Lockdowns zu erreichen – bei gleichzeitig einer der schnellsten Wirtschaftswachstumsraten der Welt – zeigt die Errungenschaften des pluralen Geistes der Informationsgesellschaft Taiwans. Ob es sich um Masken oder soziale Sicherheitsabstände handelt, dies sind Beispiele dafür, wie Technologie und die Vielfalt der taiwanischen Gesellschaft im Alltag zusammenwirken[4].

Ort der Konvergenz – ein Ort, wo vieles zusammen kommt

Eine Etymologie des Namens Taiwan stammt vom indigenen Wort “Taivoan”, was “Ort der Zusammenführung” bedeutet. Taiwan war wohl länger als jeder andere Ort der Erde ein Ausgangspunkt für Zusammenarbeit über große Distanzen hinweg, da es als Startpunkt für die tausende Kilometer langen Reisen polynesischer Seefahrer im zweiten Jahrtausend v. Chr. gilt[5]. Die Geschichte dieser Insel und ihrer Menschen, geprägt von indigenen Kulturen, Kolonialmächten und politischen Ideologien aus der Region und der Welt, dreht sich um den andauernden Konflikt und das gemeinsame Ringen um verschiedene Vorstellungen davon, was dieser Ort ist und was er sein kann. Diese lebhafte und umfassende Auseinandersetzung hat eine einzigartige Form der Demokratie hervorgebracht, die durch eine Geschichte ständiger Umwälzungen geschmiedet wurde.

Zwei dramatische persönliche Erfahrungen der Hauptautor:innen dieses Buches veranschaulichen dieses einzigartige kulturelle und politische Umfeld. Am 18. März 2014 drangen eine Gruppe von Student:innen in das Parlament Taiwans. Sie waren von ihrem Unmut über ein Handelsabkommen mit Peking getrieben und zugleich durch die globale „Occupy"-Bewegung inspiriert. Eine ähnliche Besetzung des amerikanischen Kapitols fast sieben Jahre später dauerte nur wenige Stunden und ist dennoch eines der umstrittensten Ereignisse in der amerikanischen Geschichte. Im Gegensatz dazu dauerte die “Sonnenblumen”-Besetzung hundertmal länger (mehr als 3 Wochen), und dennoch wurden die Forderungen der Demonstrant:innen schließlich weitgehend als Konsens akzeptiert. Die Bewegung führte ebenso zu einem Regierungswechsel und dem Aufstieg neuer politischer Parteien.

Von besonderer Bedeutung war, dass die Bewegung zu einem tieferen und nachhaltigeren Wandel in der Politik führte. So zeigte die damalige Regierung Respekt für die Bewegung und Minister:innen luden jüngere “Reverse Mentor:innen” (Mentoring von jung zu alt) ein, um von der Jugend und der Zivilgesellschaft zu lernen. Eine dieser proaktiven Ministerinnen war Jaclyn Tsai, eine der weltweit ersten Verantwortlichen für digitale Partizipation. Sie rekrutierte mich (Audrey) für den öffentlichen Dienst. 2016 übernahm ich diese Rolle und wurde 2022 die erste Ministerin für Digitale Angelegenheiten.

Fast ein Jahrzehnt nach diesen Ereignissen besuchte ich, Glen, der andere Hauptautor dieses Buches, Taiwan, um die am 13. Januar 2024 abgehaltenen Parlamentswahlen zu beobachten, die ein “Jahr der Wahlen” einläuteten. An diesen Wahlen nahmen mehr Menschen als je zuvor teil und zudem fanden diese Wahlen unmittelbar nach Einführung der generativen Modelle wie GPT statt, das “Jahr der KI”. Viele erwarten, dass diese Modelle die Manipulation von Informationen massiv forcieren und die Einmischung durch autoritäre Akteur:innen verstärken würden. Diese Wahl schien ein Testfall zu sein: Ein viel mächtigerer und finanziell deutlich überlegener Gegner hatte großes Interesse, seinen Einfluss auszuweiten – eine Machtkonstellation, die weltweit einzigartig ist[6]. Als ich am Vorabend dieser Wahl durch die Straßen von Taipeh ging, sah ich viele Ansatzpunkte für Angriffe, die vorhandene Spaltungen vertiefen könnten. Bei der Kundgebung der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) fand ich keine einzige offizielle Flagge, nur Plakate der Insel, die charakteristische grüne Farbe der Partei und gelegentliche Regenbogenflaggen 🏳️‍🌈. Bei der Kundgebung der oppositionellen Kuomintang (KMT oder Nationalisten) sah ich nur die Flagge der Republik China (ROC) 🇹🇼. Das ließ mich mir vorstellen, wie viel extremer die Spaltungen in meiner amerikanischen Heimat wären, wenn Demokrat:innen eine historische britische Flagge und Republikaner:innen die Sternen und Streifen schwenken würden.

Trotz dieser tiefen Gräben wurde die Wahl vom 13. Januar zu einem positiven Vorbild für die Welt. Die Kandidatin der Demokratischen Fortschrittspartei – jener Partei, die China bekämpft – gewann deutlicher als von Umfragen vorhergesagt. Nach der Wahl blieb es ruhig. Das Ergebnis wurde gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Entscheidend dafür waren die Technologien und Beteiligungsmethoden, die nach der Sonnenblumen-Bewegung entwickelt wurden. Sie ermöglichten es, stark divergierende Positionen in gemeinsamen Fortschritt zu kanalisieren. Diese Fähigkeit zeigte sich besonders deutlich im Jahrzehnt nach 2014. Doch ihre Wurzeln reichen weiter zurück – verschiedene historische Entwicklungen, die in diesem schicksalhaften Jahrzehnt der digitalen Demokratie zusammenliefen.

Taiwans historische Wurzeln

Die unterschiedlichen Identitäten, die von der DPP und der KMT betont werden, entsprechen verschiedenen Facetten und Vorstellungen davon, “was dieser Ort ist”. Diese stehen im Einklang mit einer alternativen Etymologie für den Namen der Insel: “tayw”-“an”, was “Menschen”-“Ort” in einer anderen, eng verwandten indigenen Sprache (Siraya) bedeutet. Für die KMT (mit der Farbe Blau identifiziert) wird Taiwan durch die Tatsache definiert, dass die meisten ihrer Menschen chinesische Sprachen wie Mandarin, Taigi (taiwanisches Hokkien) und Hakka sprechen. Einige würden sogar so weit gehen zu argumentieren, dass Taiwan ethno-historisch “chinesischer” ist als die VRC (Volksrepublik China), da mehr als 80 % Mandarin als Hauptsprache sprechen (verglichen mit 70 % in der VRC), mehr als 40 % traditionellen Religionen wie dem Daoismus folgen (verglichen mit weniger als 20 % in der VRC) und die offizielle Regierungsideologie der Tridemismus ist (mehr dazu unten) anstatt des importierten Marxismus. Im Gegensatz dazu sehen diejenigen, die von der DPP-Sichtweise (mit “Grün” identifiziert) beeinflusst sind, Taiwan als einen Ort, eine Insel, deren Geschichte vielfältig und transkulturell ist, die nur zwei Jahrhunderte als Peripherie unter chinesischer Qing-Herrschaft verbrachte und die das Zentrum für die Bestimmung ihrer eigenen Zukunft sein sollte. Um diese Spaltungen zu verstehen, müssen wir daher sowohl die Geschichte dieser Insel als auch die der Regierung Taiwans kurz nachvollziehen.

Die Geschichte der Insel ist voller Kriege, Rebellionen, Kolonisatoren und Erzählungen über nationale Unabhängigkeit auf Schritt und Tritt. Wie viele Inseln im Südchinesischen Meer mussten sich die indigenen Völker Taiwans mit größeren imperialen Mächten wie Spanien, Japan und den Niederlanden auseinandersetzen, die ihre koloniale Expansion voran trieben. Im siebzehnten Jahrhundert siedelten sich die Niederländer im südlichen Teil der Insel an, während die Spanier sich in der nördlichen Region niederließen; beide Siedlungen waren als Handelshäfen gedacht, während ein Großteil der Insel aufgrund des Geländes und der indigenen Völker, die sich gewaltsam gegen die koloniale Kontrolle wehrten, unzugänglich blieb[7].

Händler aus dem Südchinesischen Meer (oder Piraten, je nachdem, ob sie einen ausrauben oder mit einem Handel treiben wollten), die alle aus Japan, China und Südostasien stammten, siedelten sich ebenfalls auf der Insel an oder nutzten die Häfen. 1662 stand Zheng Chenggong, oder Koxinga, in offener Rebellion gegen die neu etablierte Qing-Dynastie (1644-1911) und vertrieb die Niederländer gewaltsam aus ihrem Herrschaftssitz in der südlichen Region. Er setzte seinen Feldzug gegen die Qing von Taiwan aus fort. 1683 wurde die von der Familie Zheng angeführte Rebellion besiegt, und Taiwan kam nominell unter die Kontrolle der Qing[8].

Wenig mehr als zweihundert Jahre später, im Jahr 1895, setzte die Niederlage der Qing-Dynastie im Chinesisch-Japanischen Krieg zwei Ereignisfolgen in Gang, die die moderne Geschichte Taiwans prägen sollten. Erstens trat die Qing-Dynastie Taiwan und die unmittelbar umliegenden Inseln an Japan ab, was den Beginn eines halben Jahrhunderts japanischer Kolonialherrschaft in Taiwan markierte. Zweitens befeuerte diese Niederlage den Aufstieg einer nationalistischen Bewegung, aus der die Republik China hervorging[9]. Wir müssen jeder dieser Entwicklungslinien folgen, während sie sich voneinander entfernen.

In Taiwan markierte die japanische Besatzung den Beginn der Demokratiebewegung. Gouverneur Tang Jingsong nutzte den Führungswechsel, um eine kurzlebige unabhängige Republik Formosa zu gründen. Diese wurde wiederum unterdrückt , wobei auf der kleinen, 36.000 Quadratkilometer großen Insel 12.000 Menschen ums Leben kamen. Während der japanischen Kolonialherrschaft versuchte die Politik der “dōka” (Assimilation) erneut, die Taiwaner:innen in das japanische kulturelle und sprachliche System zu integrieren. Die Politik im Japanischen Kaiserreich zielte darauf ab, Sprache, Regierungsstruktur, Städtebau und die Bildung von Taiwans Elite und Intelligenz vollständig an Japan anzugleichen. Zu diesem Zweck wurden viele nach Japan zur Ausbildung entsandt.

Trotz der enormen Anstrengungen und Mittel, die das japanische Kaiserreich investierte, blieben Taiwans Widerstand und Identität hartnäckig. Verschiedene ethnische Gruppen galten als mehr oder weniger “zivilisiert”; je weniger zivilisiert eine Gruppe von Menschen war, desto härter und gewalttätiger war die japanische Regierung. In der Folge hatten indigene, Taigi- und Hakka-Menschen grundlegend unterschiedliche Erfahrungen unter der japanischen Kontrolle[10]. Der Aufstieg der globalen antikolonialen Bewegung und die Taishō-Demokratiereformen innerhalb Japans zu Beginn des 20. Jahrhunderts gaben Intellektuellen und Aktivisten in Taiwan die ideologische Grundlage zur Selbstbestimmung. Lokalwahlen, die 1935 abgehalten wurden und an denen ein kleiner Teil der Besitzerklasse als Wahlberechtigte teilnahm, gaben zumindest den taiwanischen Eliten einen ersten Vorgeschmack demokratischer Teilhabe. Diese ermutigten dazu, nach größerer Autonomie und mehr Meinungsfreiheit zu streben[11].

Tridemismus

Zur gleichen Zeit wurde auf der anderen Seite der Taiwanstraße Sun Yat-Sen, ein junger, in Amerika ausgebildeter, christlicher Arzt und Aktivist, ebenfalls von der Niederlage der Qing gegen Japan inspiriert, den Weg zu einer revolutionären Demokratie einzuschlagen, aber aus einem ganz anderen Grund. Mit der Schlussfolgerung, dass die Dynastie unreformierbar sei, führten Sun und seine “Gesellschaft zur Wiederbelebung Chinas” eine Reihe erfolgloser Aufstände an, die ihn ins Exil nach Japan zwangen, wo ihn (wie die taiwanischen Eliten, die zur Ausbildung nach Japan geschickt wurden) die aufkeimenden demokratischen Reformen inspirierten. Auf der Grundlage dieser japanischen, christlichen und amerikanischen Einflüsse sowie konfuzianischer Traditionen formulierte Sun 1905 seine “Drei Prinzipien des Volkes” und legte damit das Fundament des “Tridemismus”, der zur offiziellen Philosophie (und Nationalhymne) der Republik China werden sollte.

Das erste Prinzip ist 民族/Mínzú (wörtlich “ziviler Clan”), das normalerweise als “Nationalismus” übersetzt wird. Bemerkenswert war jedoch vor allem seine Betonung des ethnischen Pluralismus (五族共和), der sich in der ursprünglichen Flagge der Republik China widerspiegelte. Diese enthielt Farben für jede der damaligen Hauptethnien[12].

Das zweite Prinzip, 民權/Mínquán (wörtlich “zivile Rechte”), wird gewöhnlich als “Demokratie” übersetzt. Es umfasst eine Kombination von Rechten auf Wahl, Abberufung, Initiative und Referendum sowie eine Gewaltenteilung zwischen fünf “Yuan” – den aus der europäischen Tradition stammenden Legislative, Exekutive und Judikative plus den Kontroll- und Prüfungsabteilungen aus der konfuzianischen Tradition.

Das dritte Prinzip, 民生/Mínshēng (wörtlich “ziviler Lebensunterhalt”), wird gewöhnlich als “Sozialismus” übersetzt und schöpft aus verschiedenen wirtschaftsphilosophischen Ansätzen. Dazu gehören die Ideen von Henry George, einem amerikanischen Volkswirtschaftler, der für Gleichberechtigung bei Landrechten, antimonopolistische Positionen und genossenschaftliche Unternehmen eintrat. Diese Ideen behandeln wir im nächsten Teil des Buches viel ausführlicher.

Mit Hilfe dieser Ideen baute Sun internationale Unterstützung von ausländischen Verbündeten und Exilchines:innen auf der ganzen Welt auf, die es ihm und seinen Verbündeten schließlich ermöglichte, die Qing 1911 zu stürzen und 1912 die Republik China zu gründen. Trotz dieses anfänglichen Erfolgs zwangen ihn interne Konflikte schnell wieder ins Exil. Schließlich kehrte er zurück, um an einem Bürgerkrieg teilzunehmen, bei dem es ihm 1919 gelang, zusammen mit seinen Verbündeten die heute bekannte KMT zu gründen.

In diesem Jahr begegnete er auch John Dewey, der einen weiteren entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Republik China haben sollte. Dewey war ein Schüler von Henry George und besuchte China unter anderem, um zu erkunden, ob und wie Georges Ideen in der gesellschaftlichen Praxis funktionieren. Als einer der angesehensten amerikanischen Philosophen und weltweit führenden Demokratietheoretiker brachte Dewey seine “pragmatische” Demokratietheorie mit. Sein chinesischer Schüler Hu Shih übersetzte diesen Ansatz als “Experimentalismus” – eine Idee, die perfekt zur unsicheren und suchenden Atmosphäre der jungen Republik China passte. Diese Theorie werden wir im nächsten Teil des Buches genauer betrachten.

Einerseits teilte dieser experimentelle und sich entwickelnde Ansatz viel mit den taoistischen Traditionen, die bei den demokratischen Gegnern der Qing- und Kriegsherrenmonarchie beliebt waren[13]. Andererseits befürwortete Dewey, im Gegensatz zu vielen imperialistischen ausländischen Beobachter, dass China eigene innovative Schulen entwickeln sollte, die auf gemeinschaftlicher Problemlösung basieren, statt westliche Modelle einfach zu kopieren. Dies führte dazu, dass Dewey zu einer Art Brücke zwischen der Republik China und dem Westen wurde, insbesondere den USA. Er hielt über 200 Vorlesungen in China und schrieb gleichzeitig monatliche Kolumnen über seine Erfahrungen für aufkommende Zeitschriften wie The New Republic. Dabei half er, eine tiefe und dauerhafte Verbindung zwischen der Republik China und den USA zu schmieden.

Der etwa zeitgleiche Erfolg der Russischen Revolution brachte auch der zuvor marginalen Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) finanzielle Unterstützung und militärische Ausbildung. Obwohl er von einer anderen, marxistischen Vision des Sozialismus inspiriert war, verbündete sich Sun mit den Kommunist:innen, um das Land zu vereinen. Diese Bemühung, die zum Zeitpunkt seines Todes 1925 beinahe erfolgreich war, hat Sun zum “Vater der Nation” für die Nationalisten und zum “Wegbereiter der Revolution” für die Kommunisten gemacht.

Dieser Moment der Einheit war jedoch nur von kurzer Dauer. In den folgenden zwanzig Jahren wechselten sich die Kommunisten unter Mao Zedong und die Nationalisten unter Chiang Kai-shek zwischen Bürgerkrieg und gemeinsamen Kämpfen gegen Kriegsherren und japanische Besatzern ab, bis Japan 1945 endgültig besiegt war. Beide Seiten waren so sehr auf den Kampf um die nationale Befreiung und gegeneinander konzentriert, dass Taiwan kaum in ihren Überlegungen vorkam[14].

Taiwan nach dem Krieg

1949, nachdem sie von den Kommunisten besiegt worden waren, verlegten Chiang und zwei Millionen Soldaten und Zivilisten der Republik China ihren Standort nach Taiwan und erklärten es zur Heimat des “freien China”, während sie gleichzeitig das Kriegsrecht über die acht Millionen einheimischen, hauptsächlich Taigi- und Hakka-sprechenden Bewohner:innen verhängten, was als der “Weiße Terror” bekannt wurde. Als Diktator stellte Chiang die Republik China – die ROC in Taiwan – gegenüber der Welt als die wahren Vertreter Chinas dar. Intern erlebten die Menschen in Taiwan eine gewalttätige Fremdherrschaft, die schnell die Kontrolle über die Insel übernommen hatte und begann, jedes Zeichen taiwanischer Identität systematisch und rücksichtslos zu unterdrücken[15].

Gleichzeitig säte die Regierung, deren offizielle Ideologie der Tridemismus war, die Saat für gesellschaftliche Reformen, die später zu demokratischen Bewegungen in Taiwan führten. Da er keine Verbindungen zur Insel und ihren lokalen Eliten hatte und sich ihnen daher nicht verpflichtet fühlte, konnte Chiang die Landreform durchsetzen: Pachtreduzierung auf 37,5 % (1949), Freigabe öffentlichen Lands (1951) und Aufteilung großer Güter durch die Politik “Land denen, die es bewirtschaften” (1953). Dies wurde 1977 um eine georgistische Bodenwertsteuer erweitert, deren Details wir später beschreiben werden. Zusammengenommen legten diese Reformen, wie viele Wissenschaftler:innen argumentiert haben, ein egalitäres wirtschaftliches Fundament, das sich als entscheidend für Taiwans spätere gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung erwies[16].

Ein weiterer Aspekt des Tridemismus war die Förderung genossenschaftlicher Unternehmen. Dies wurde in Artikel 145 der Verfassung der Republik China verankert, der besagt: “Privater Reichtum und privat betriebene Unternehmen sollen vom Staat gesetzlich beschränkt werden, wenn sie einer ausgewogenen Entwicklung schaden… Genossenschaftliche Unternehmen… und Außenhandel sollen gefördert werden.”

Diese Unterstützung für industrielle Genossenschaften und partizipative Produktion hatte mehrere Quellen. Sie war nicht nur von georgistischen Ideen beeinflusst, sondern schöpfte auch aus Traditionen der landwirtschaftlichen und industriellen Zusammenarbeit, die während der japanischen Kolonialzeit entstanden waren. Zusätzlich wirkten amerikanische Denker wie Edward Deming, der seine Ideen zur Stärkung von Arbeiter:innen – und damit zur Steigerung der Produktionsqualität – während der US-Besatzung in Japan entwickelte.

Zusammen förderten diese Einflüsse die Entwicklung eines robusten zivilen und genossenschaftlichen Sektors in Taiwan (den allgemein als Dritten Sektor bezeichnet wird), der für seine industrielle und politische Zukunft entscheidend war. Darüber hinaus trieben der verfassungsrechtliche und historische Fokus auf Handel sowie öffentliche Investitionen in Infrastruktur, die den Export unterstützen, Taiwans Aufstieg voran. In den 1970er Jahren wurde Taiwan damit zu einem wichtigen Lieferanten von Komponenten für fortschrittliche westliche Technologien[17].

Taiwans Bildungssystem war ähnlich von der intellektuellen Aufbruchsstimmung der frühen Republik China – wie Taiwan sich noch heute offiziell nennt – geprägt. Hu Shih, Deweys Schüler, floh zusammen mit der KMT nach Taiwan, obwohl er mit der Partei manchmal im Streit lag. Als Präsident des nationalen Forschungsinstituts Academia Sinica und einer der führenden Intellektuellen des Landes wurde Hu zu einer Schlüsselfigur bei der Entwicklung von Taiwans Bildungssystem.

Er verschmolz konfuzianische Traditionen mit Deweys Pragmatismus, Egalitarismus und Demokratie und formte so die taiwanische Bildung zu einem Vorbild für die Welt. Taiwan erreichte und erreicht heute noch die Spitzenplätze in verschiedenen internationalen Bildungsvergleichen[18].

Der Aufbruch zur Demokratie

Parallel zur amerikanischen Bürgerrechtsbewegung entstanden in den 1960er Jahren verstärkte Proteste gegen die KMT und Chiang Kai-Shek mit Forderungen nach Taiwans Unabhängigkeit und einer wahrhaft demokratischen Regierung. Der in Taiwan geborene Professor der National Taiwan University, Peng Ming-min (1921-2022), und zwei seiner Studenten, Hsieh Tsung-min und Wei Ting-chao, verbreiteten das “Taiwan Manifest zur Selbstrettung”, das ein freies und unabhängiges Taiwan forderte und die Regierenden der Republik China als illegitime Regierung bezeichnete[19]. Obwohl dieser Moment mit Pengs Exil endete, entfachte das Manifest eine nationale Diskussion, die demokratische Befürworter:innen weiter dazu anspornte, Zugang zu nationalen Wahlen zu fordern.

Die Vereinten Nationen spielten eine zentrale Rolle für die frühe Identität der Republik China (ROC) unter dem Weißen Terror. Denn die ROC in Taiwan war nicht nur Gründungsmitglied der UN, sondern auch das einzige asiatische ständige Mitglied des Sicherheitsrats. Diese prominente internationale Rolle ärgerte die Volksrepublik China (VRC) massiv, da sie selbst von internationalen Angelegenheiten ausgeschlossen blieb. Dies brachte die KPC dazu, ihre ursprüngliche Unterstützung für die taiwanische Unabhängigkeit aufzugeben und stattdessen ideologisch auf die Eroberung Taiwans zu setzen.

Als die USA jedoch ihre Misserfolge in Vietnam eindämmen musste, verfolgte Präsident Richard Nixon heimlich eine Annäherung an die VRC. Er unterstützte die von Albanien eingebrachte Resolution 2758, die am 25. Oktober 1971 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde. Diese Resolution übertrug die Anerkennung “Chinas” von der ROC in Taiwan auf die VRC. Der Höhepunkt war Nixons Besuch in der VRC 1972. Infolgedessen “zog sich” die ROC in Taiwan aus der UN zurück, was seine Identität und internationale Stellung grundlegend veränderte.

Einerseits schränkte dieser Rückzug international den Handlungsspielraum Taiwans erheblich ein und beeinträchtigte seine Fähigkeit, wirtschaftliche und handelspolitische Aktivitäten zu entfalten. Er führte auch dazu, dass die USA und ein Großteil der nicht-kommunistischen Welt von einer Position der bedingungslosen Allianz mit der ROC in Taiwan zu einer vorsichtigen Interessenabwägung und bewussten Ambiguität wechselten, um einerseits Gewalt der VR China gegen Taiwan zu verhindern und andererseits eine Politik zu unterstützen, die deren “Ein-China”-Position anerkennt.

Dieser internationale Statusverlust erzwang eine grundlegende Neuorientierung der nationalen Identität: Taiwan konnte sich nicht mehr glaubwürdig als “freies China” und rechtmäßige Regierung des Gesamtstaates präsentieren. Innerstaatlich untergrub dieser Identitätswandel die ideologische Grundlage des Weißen Terrors, dessen Repression bislang mit dem angeblichen Kriegszustand gegen die “kommunistische Rebellion” auf dem Festland gerechtfertigt worden war. Mit der schwindenden Aussicht auf internationale Unterstützung und eine Rückeroberung des Festlands verlor auch die Unterdrückung jeglicher Opposition als “kommunistische Unterwanderung” ihre Legitimation.

Die Widersprüche zwischen einer zunehmend egalitären, vom dritten Sektor getragenen und hochgradig progressiv gebildeten Bevölkerung einerseits und einem autoritären, repressiven Staat andererseits wurden damit immer offensichtlicher, insbesondere mit der Entwicklung von Gewerkschaften und politischen Bürgervereinigungen sowie dem Tod Chiang Kai-sheks – alles noch vor Ende der 1970er Jahre. Das Leben meiner Eltern (Audrey) veranschaulicht diese Entwicklungen perfekt: Als Pioniere von Bewegungen für Community-Colleges und Verbrauchergenossenschaften profitierten sie von der in der Verfassung der Republik China verankerten genossenschaftlichen Unterstützung. Doch als Journalisten berichteten sie über die vom Staat Unterdrückten und unterstützten sie, etwa beim Kaohsiung-Zwischenfall von 1979, als führende Oppositionspolitiker inhaftiert wurden, womit sie den Grundstein für die Demokratisierung legten.

Taiwans geschwächte internationale Position ermöglichte es auch den während des Weißen Terrors ins Exil getriebenen Dissidenten, zunehmend Druck auf Chiangs Sohn und Nachfolger Chiang Ching-kuo auszuüben. Die Liberalisierung Taiwans unter dem jüngeren Chiang in den 1980er Jahren schuf ein Umfeld, in dem demokratisches Handeln, Proteste, Essays, Lieder und Kunst den wachsenden Glauben an allgemeine Wahlen widerspiegelten. Diejenigen, die Demokratie forderten, befanden sich noch immer im Exil oder in Haft, aber ihre Verwandten und Freunde begannen, für lokale und nationale politische Ämter zu kandidieren[20].

Lebendige demokratische Generation

1984 wurde Lee Teng-hui (1923-2020) von Chiang Ching-kuo zum Vizepräsidenten ernannt – als erster gebürtiger Taiwaner. Diese Entscheidung signalisierte einen Wandel in der politischen Landschaft Taiwans[21]. Als Lee 1988 Präsident wurde, leitete er rasch eine Reihe demokratischer Reformen ein, forderte die Direktwahl des Präsidenten und übertrug die Souveränität des Landes auf die “Bürger:innen des Freien Gebiets” der Republik China (jene, die auf den Taiwan-Inseln leben). Dies führte dazu, dass er 1996 der erste direkt gewählte Präsident wurde – nur wenige Monate nachdem Bill Gates Memo über die “Internet-Flutwelle” die Ankunft des Internetzeitalters für die breite Masse eingeläutet hatte.

Taiwan gehörte bereits zu den technologieintensivsten Exportwirtschaften der Welt, und diese Flutwelle erfasste die taiwanesische Wirtschaft und Gesellschaft mit derselben Kraft wie die Demokratisierung. So wurden Internet und Demokratie in Taiwan zu einer Art siamesischen Zwillingen. Vier Jahre später gewann der erste DPP-Präsident Chen Shui-bian knapp die Wahl, als sich das Blaue Lager spaltete. Mit der Rückkehr der KMT zur Präsidentschaft acht Jahre später im Jahr 2008 etablierte sich ein Hin und Her zwischen der Blauen Vision des “freien China” und der Grünen Vision der “Inselnation” als politisches Grundmuster.

Hintergrundinformation des Übersetzers:

Die taiwanesische Politik ist seit der Demokratisierung von zwei Lagern geprägt, die sich in fundamentalen Identitätsfragen unterscheiden. Das “Blaue Lager” (Pan-Blau) um die Kuomintang (KMT) vertritt die Vision des “freien China” – Taiwan als die wahre, demokratische Republik China, die sich als rechtmäßige Erbin des gesamtchinesischen Staates versteht. Langfristig strebt es eine Wiedervereinigung mit dem Festland unter demokratischen Vorzeichen an. Das “Grüne Lager” (Pan-Grün) um die Demokratische Fortschrittspartei (DPP) hingegen sieht Taiwan als eigenständige “Inselnation” mit taiwanesischer, nicht chinesischer Identität. Es strebt die formale Unabhängigkeit Taiwans als souveränen Staat an, der nicht Teil Chinas ist. Diese Farbsymbolik - Blau für die pan-chinesische, Grün für die taiwanesische Vision - prägt bis heute die politische Landschaft der Insel.

Doch trotz dieser tiefen und anhaltenden Spaltung, die die Sonnenblumen-Bewegung anheizte, ist der überlappende Konsens zwischen diesen Perspektiven bemerkenswert:

  1. Pluralismus: Sowohl die Blaue als auch die Grüne Bewegung betonen stark den Pluralismus. Für die Blauen geht es um die Verschmelzung von zeitgenössischer und traditioneller Kultur (verkörpert durch das Nationale Palastmuseum) und die tridemistische Tradition des Pluralismus, wobei sie die Rolle der Republik China (ROC) als kulturelle Erbin und Leitfigur hervorheben; die Grünen hingegen konzentrieren sich auf die Vielfalt derer, die sich in Taiwan niedergelassen haben, einschließlich der Ureinwohner:innen, Japaner, Hokkien, Hakka, Westler und neuen Einwanderer.
  2. Diplomatische Finesse: Um die schwierige Beziehung zur VR China zu bewältigen, mussten beide eine Reihe komplexer und nuancierter öffentlicher Positionen zur Sicherheitspolitik der USA und anderer Verbündeter, zur Bedeutung der Begriffe "Republik of China (ROC) und “Taiwan” sowie zum Konzept der “Unabhängigkeit” einnehmen.
  3. Demokratische Freiheit: Die Ideen von “Demokratie” und “Freiheit” sind zentral für beide Ideologien. Für die Grünen sind diese Ideen der Kern von Taiwans Überlebenskampf, sowohl den Weißen Terror als auch den Autoritarismus der VR China zu überwinden. Für die Blauen sind diese Ideen zentral für den Tridemismus und damit in ihren Augen Inhalte, auf die sich die Führungsriege der Republik China konzentrieren muss.
  4. Anti-Autoritarismus: Beide zeigen sich zutiefst besorgt über den wachsenden Autoritarismus in der VR China, insbesondere im letzten Jahrzehnt mit dem Scheitern der “Ein Land, zwei Systeme” Politik in Hongkong.
  5. Exportorientierung: Beide Parteien feiern den Erfolg als kommerzieller Exporteur und sehen auch die Fähigkeit, Ideen und Kultur zu exportieren, als zentral für die Zukunft. Für die Blauen konzentriert sich dies mehr darauf, die VR China zu demokratischen Reformen nach taiwanesischem Vorbild zu bewegen, während sich die Grünen darauf konzentrieren, Respekt in der “freien Welt” zu gewinnen, die Taiwan für seine Eigenstaatlichkeit braucht.

Zusätzlich zu dieser ideologischen Überschneidung haben beide Seiten von der zentralen Rolle profitiert, die die Insel in der globalen Elektronikindustrie zu spielen begonnen hat, und sind in sie eingetaucht. Als Zentrum der Halbleiter- und Smartphone-Lieferkette und mit dem schnellsten Internet der Welt[22] ist kein Land tiefer in die digitale Welt eingetaucht als Taiwan.

Dieser überlappende Konsens über eine plurale, komplexe, freie, weltoffene Demokratie, gepaart mit leicht verfügbaren digitalen Werkzeugen, hat es Taiwan ermöglicht, nicht nur durch die widersprüchlichen politischen Visionen zu navigieren, sondern auch im letzten Jahrzehnt zum weltweit führenden Beispiel digitaler Demokratie zu werden.


  1. Dies ist eine alternative Interpretation von 中華民國 (wörtlich “inmitten” “Kulturen” “Bürger:innen” “Nation”), üblicherweise übersetzt als “Republik China”. ↩︎

  2. “Billing Profile Information,” Zentrale Wahlkommission o. J., https://db.cec.gov.tw/ElecTable/Election?type=President. ↩︎

  3. Joseph Liu, “Global Religious Diversity,” Pew Research Center, April 4, 2014. https://www.pewresearch.org/religion/2014/04/04/global-religious-diversity/. ↩︎

  4. “Tracking Covid-19 Excess Deaths across Countries,” The Economist, October 20, 2021. https://www.economist.com/graphic-detail/coronavirus-excess-deaths-tracker. ↩︎

  5. Peter Bellwood, Man’s Conquest of the Pacific: the Prehistory of Southeast Asia and Oceania (Oxford, UK: Oxford University Press, 1979) ↩︎

  6. “Disinformation in Taiwan: International versus Domestic Perpetrators,” V-Dem, 2020. https://v-dem.net/weekly_graph/disinformation-in-taiwan-international-versus ↩︎

  7. Emma Teng, Taiwan’s Imagined Geography: Chinese Colonial Travel Writing and Pictures, 1683-1895, (Cambridge, Mass.: Harvard University Asia Center, 2004), 33. ↩︎

  8. Emma Teng, Taiwan’s Imagined Geography: Chinese Colonial Travel Writing and Pictures, 1683-1895, (Cambridge, Mass.: Harvard University Asia Center, 2004), 33, 1-2. ↩︎

  9. Suisheng Zhao, The Dragon Roars Back: Transformational Leaders and Dynamics of Chinese Foreign Policy, (Stanford, California: Stanford University Press, 2022), 132. ↩︎

  10. Jeffrey Jacobs, Democratizing Taiwan, (Boston: Brill, 2012), 22. ↩︎

  11. Ashley Esarey, “Overview: Democratization and Nation Building in Taiwan” in Taiwan in Dynamic Transition: Nation Building and Democratization, edited by Thomas Gold, (Seattle: University of Washington Press, 2020), 24 ↩︎

  12. “Flagge Chinas (1912–1928),” o. J., Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flag_of_China_(1912–1928).svg. ↩︎

  13. Richard Shusterman, “Pragmatismus und ostasiatisches Denken” Metaphilosophy 35, no. 1-2 (2004): 13, https://www.academia.edu/3125320/_Pragmatism_and_East_Asian_Thought_. ↩︎

  14. Allerdings, soweit sie sich damit befassten, unterstützte Mao Taiwan als unabhängigen kommunistischen Staat, ähnlich wie er es für Korea und Vietnam erhoffte, während Chiang (fast beiläufig) nach dem Krieg die Rückgabe Taiwans zusammen mit anderen von Japan zuvor besetzten Gebieten, einschließlich der Mandschurei, forderte. ↩︎

  15. Chien-Jung Hsu, The Construction of National Identity in Taiwan’s Media, 1896-2012, (Leiden: Brill, 2014), 71. ↩︎

  16. Joe Studwell, “How Asia Works: Success and Failure in the World’s Most Dynamic Region,” (London: Profile, 2013). ↩︎

  17. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Japans industrielle Infrastruktur schwer beschädigt und die Produktqualität war schlecht. In diesem Zusammenhang wurde Deming 1950 vom Verband Japanischer Wissenschaftler und Ingenieure (JUSE) eingeladen. Er führte die Statistische Prozesssteuerung (SPC) und den PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) ein und betonte kontinuierliche Verbesserung (Kaizen) und die Bedeutung der Mitarbeiterbeteiligung. Seine Prinzipien wurden insbesondere von der japanischen Automobilindustrie, namentlich Toyota, übernommen und wurden wesentlicher Bestandteil des Toyota-Produktionssystems (TPS). Im Jahr 1990 veröffentlichten James P. Womack und andere The Machine That Changed the World, in dem sie das Toyota-Produktionssystem analysierten und es einem globalen Publikum als Lean Manufacturing vorstellten. James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos, The Machine that Changed the World (New York: Free Press, 2007). Im Jahr 2011 ließ sich Eric Ries, der den Begriff “Lean Startup” prägte, von den Lean-Manufacturing-Prinzipien in der Unternehmertätigkeit inspirieren. Eric Ries, The Lean Startup (New York: Crown Currency, 2011). ↩︎

  18. “John Dewey and Free China,” Taiwan Today, January 1, 2003, https://taiwantoday.tw/news.php?unit=12. ↩︎

  19. Ryan Dunch, and Ashley Esarey, Taiwan in Dynamic Transition: Nation-Building and Democratization, (Seattle: University Of Washington Press, 2020), 28. ↩︎

  20. Ryan Dunch, and Ashley Esarey, Taiwan in Dynamic Transition: Nation-Building and Democratization, (Seattle: University Of Washington Press, 2020), 31. ↩︎

  21. Jeffrey Jacobs, Democratizing Taiwan, (Boston: Brill, 2012), 62. ↩︎

  22. Taiwan News, “Taiwan Has No. 1 Fastest Internet in World,” October 23, 2023. https://www.taiwannews.com.tw/en/news/5025449. ↩︎